. Ein Großeinsatz mit Hubschrauber und mehreren Streifenwagen hielt Anfang Oktober die Bundespolizei in Atem. Die Bahnstrecke zwischen Berlin und Elsterwerda (Elbe-Elster) musste mehrere Stunden gesperrt werden, weil ein Güterzug Teile der Oberleitung abgerissen hatte. Die Deutsche Bahn vermutete Buntmetalldiebe, die sich im großen Stil an tragenden Streckenteilen bedient hatten. Der wirkliche Verursacher wurde erst Stunden später entdeckt. Ein Marder hatte sich an den Isolatoren zu schaffen gemacht, so einen Kurzschluss verursacht, der die Leitung instabil machte, sodass diese schließlich einstürzte.

Ein Problem, mit dem die Deutsche Bahn in Brandenburg regelmäßig zu kämpfen hat. Wo Buntmetalldiebe vermutet werden, steckt oft der Marder dahinter. In diesem Jahr haben die Raubtiere in Berlin und Brandenburg 20 Oberleitungen beschädigt. Das sagte eine Bahnsprecherin auf Nachfrage der RUNDSCHAU. Der Schaden: mehrere Tausend Euro. Bei Neuanlagen soll nun ein Kleintierschutz eingebaut werden, der die Isolatoren an den Oberleitungen besser schützen soll, so die Bahnsprecherin weiter.

Die Tiere lösen beim Klettern auf den Überleitungen einen Kurzschluss aus. Aufgrund ihrer Länge verbinden die Marder spannungsführende und geerdete Teile miteinander. 15 000 Volt liegen auf der Leitung, es kommt zum Überschlag. Die thermische Belastung ist dabei so groß, dass es beim Überschlag zu Rissen in der Oberleitung kommt. Die Seile brennen förmlich durch, so ähnlich wie beim Lichtbogenschweißen. Donnert nun ein Güterzug wie Anfang Oktober auf der Strecke zwischen Berlin und Elsterwerda auf der gefährdeten Strecke entlang, halten die angerissenen Leitungen den Belastungen nicht mehr stand.

Warum die Marder gerade die Oberleitungen bevorzugen, ist unklar. "Das sind Klettertiere, die instinktiv ihre Umgebung erkunden und auch vor den Oberleitungsmasten keinen Halt machen", so eine Bahnsprecherin weiter. Leider habe die Bahn mit den Marderfällen im Herbst öfters zu tun, sagt ein Mitarbeiter des Unternehmens, der namentlich aber nicht genannt werden möchte. Allein in den vergangenen beiden Wochen sei es zu drei Zwischenfällen gekommen. Beim bisher größten, Anfang des Monats, war die Strecke auf einer Länge von ungefähr 1000 Metern beschädigt.

Manchmal spielen sich Metalldiebe und Marder aber auch ungewollt in die Hände. Bei Chemnitz klauten vor mehreren Monaten Diebe erst mehrere Kabel, darunter mehrere Teile, die zur Erdung gedacht waren. Als wenig später ein Marder auf der Strecke herumkroch, war der Kurzschluss besonders durchschlagend, sogar das Stellwerk wurde beschädigt. Mehrere Züge fielen aus. Signale und Weichen mussten eine Zeit lang manuell bedient werden.

Zum Thema:
Auch wenn Marder Bahnstrecken lahmlegen, sind das größere Problem die Metalldiebe. Allein in Brandenburg wurde dadurch in den zurückliegenden Jahren ein Millionenschaden verursacht. Nach Angaben des brandenburgischen Landeskriminalamtes haben Metalldiebe in der Region zwischen der Lausitz und der Uckermark in den Jahren 2008 bis 2011 einen Schaden von rund 12,7 Millionen Euro angerichtet. Dabei ist die Dunkelziffer vermutlich noch viel höher, als die von der Polizei registrierten mehr als 6300 Fälle. Vor allem auf Kupfer hatten es die Langfinger abgesehen.