Nach nur zwei Stunden ist am Donnerstag ein weiterer Prozess um die Proteste gegen Neonazis am 19. Februar 2011 in Dresden beendet worden. Das Verfahren gegen den Geschäftsführer der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), Markus Tervooren, wurde gegen 500 Euro Geldauflage eingestellt.

Die Kammer begründete das auch mit der sehr langen Dauer. Tervoorens Unterstützer feierten die Entscheidung, der Jenaer Pfarrer Lothar König sprach mit Blick auf seinen eigenen Prozess von einem Signal.

Tervooren waren Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung und Störung von Versammlungen vorgeworfen worden. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hatte er Gegendemonstranten aufgewiegelt, mehrere Polizeisperren zu durchbrechen.

Der 51-Jährige hatte die Vorwürfe "mehr als absurd" genannt und zu Prozessbeginn keine Angaben gemacht. Nach einem Gespräch mit allen Beteiligten stellten die Richter das Verfahren ein - Paragraf 153a der Strafprozessordnung lässt diese Möglichkeit zu. Die Tat sei schon vier Jahre her, Tervooren nicht vorbestraft und die Vorwürfe seien nicht mehr so schwerwiegend, hieß es zur Begründung.

Die Verteidigung verwies auf eine unsichere Beweislage. "Wie ein Freispruch 1. Klasse" sagte Pfarrer König vor zahlreichen Unterstützern vor dem Gerichtsgebäude.

Sein Prozess, der im Sommer 2013 wegen Zweifeln an Beweiskraft und Vollständigkeit von Videos der Polizei geplatzt war, wird im November in Dresden neu aufgerollt.

Auch König soll 2011 zur Gewalt gegen die Polizei aufgewiegelt haben. Bei den Demonstrationen zum Jahrestag der Bombardierung Dresdens im Jahr 1945 war es zu schweren Krawallen gekommen, als Tausende gegen den Aufzug von Neonazis demonstrierten. Mehr als 1000 Verfahren gegen mutmaßliche Gewalttäter wurden eingeleitet, Dutzende bereits verurteilt.