Jetzt zum überraschend schnellen Ende des Verfahrens steht vor Gericht lediglich ein krimineller Steuerhinterzieher, der den deutschen Fiskus von 1988 bis 1993 um 7,3 Millionen Euro betrogen haben soll. Dafür erwarten den 76-jährigen Schreiber nach Auffassung von Justizkreisen zwischen vier und sechs Jahre Gefängnis. Das Urteil soll am 5. Mai verkündet werden.

Der Angeklagte selbst hat nichts dazu beigetragen, die zu erwartende Haftstrafe zu verringern. Es gibt kein Geständnis. Schreiber hat bislang keinen Cent zur Wiedergutmachung seiner Steuerschuld gezahlt. Auch sein Schweigen vor Gericht nach zehnjähriger Flucht in Kanada ist zwar sein gutes Recht, trug aber nicht zu einem günstigen Bild des Angeklagten bei.

Und dennoch ist das Verfahren für Schreiber eigentlich ,,optimal" gelaufen. Von ursprünglich vier Anklagepunkten ist nur der Vorwurf der Steuerhinterziehung übrig geblieben. Den Vorwurf der Bestechung hat das Gericht als verjährt gestrichen, die Anschuldigung der Beihilfe zum Betrug beim Panzergeschäft mit Saudi-Arabien hat die Staatsanwaltschaft als unbeweisbar aufgegeben, eine Verurteilung wegen Beihilfe zur Untreue hatte der kanadische Ausweisungsbeschluss bereits ausgeklammert. Zusätzlich wurde der hinterzogene Betrag von ursprünglich über 11 Millionen Euro auf 7,3 Millionen Euro heruntergerechnet. Das Gericht hat dabei alle Details zugunsten des Angeklagten berücksichtigt. Der Vorsitzende Richter Rudolf Weigell: ,,Wir agieren hier nach dem zivilrechtlichen Meistbegünstigungsprinzip, weil wir im Dunkeln tappen."

Nach der großen Aufregung, als Schreiber im August letzten Jahres ausgeliefert worden war, ist das Verfahren acht Monate später zu einem ganz normalen Steuerhinterziehungsprozess geworden, dessen Ende trotz des zu erwartenden Urteils wohl noch nicht gekommen ist. Die Verteidiger haben schon angekündigt, in Revision zum Bundesgerichtshof zu gehen, wie schon bei den früheren Verfahren gegen Ex-Rüstungsmanager und den Politikersohn Max Strauß. Dieser war nach einer ersten Verurteilung sogar freigesprochen worden, die Manager waren letztlich mit Bewährungsstrafen davongekommen. Das schließen Steuer-Juristen im Fall Schreiber aus.