ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:02 Uhr

Kurzer Prozess für junge Randalierer

Nach In-Kraft-Treten des Notstandsrechts haben sich die Krawalle in Frankreich leicht abgeschwächt. Landesweit wurden in der Nacht zu gestern 617 Autos in Brand gesteckt, in der Nacht zuvor waren es doppelt so viele. Eine Ausgangssperre für Jugendliche wurde zunächst nur in Amiens verhängt. Weitere Städte kündigten jedoch ähnliche Verbote an. Unterdessen werden die ersten jugendlichen Randalierer in Eilverfahren verurteilt. Von Claire Snegaroff <br> und Jean-Louis Pany

Kurzer Prozess für Fouad und Hamoud: Weil sie während der Krawalle in der Pariser Vorstadt Saint-Denis eine Crêperie in einem Einkaufszentrum in Brand gesteckt haben, müssen die beiden gerade mal 18 Jahre jungen Erwachsenen ins Gefängnis. Für die Staatsanwaltschaft ist ihr Vergehen "äußerst schwer wiegend", die Anwälte halten die harte Kindheit der beiden in den Einwanderervierteln von Paris dagegen. Das Verfahren vor dem Strafgericht Bobigny dauert wie die meisten anderen nur knapp eine Dreiviertelstunde, dann fällt das Urteil: Drei Monate Haft für Fouad, der sagt, es tue ihm leid - fünf Monate für Hamoud, der alles abstreitet und zum Tatzeitpunkt Wasserpfeife geraucht haben will.
Warum er die Crêperie angezündet hat - dazu fällt Fouad nicht viel ein. Er habe sich "rächen" wollen an den Bereitschaftspolizisten, sagt er. Die hätten gesagt, er solle doch seinen "Scheiß-Ramadan" feiern. "Was hat der Pfannkuchenbäcker mit dieser Geschichte zu tun„", fragt der Staatsanwalt und sagt, er verstehe die "Forderungen" dieser Jugend nicht. "Sie verstehen nicht, was diese jungen Leute wollen“ Wenn sich die Gesellschaft diese Frage vor 20 Jahren gestellt hätte, wären wir nicht hier", hält Hamouds Verteidiger Mourad Serhane dagegen. Viele Menschen in den Vorstädten fühlten sich wie Bürger zweiter Klasse, sagt der Anwalt.
Fouad und Hamoud haben keine anerkannte Ausbildung, dazu fehlen ihnen Praktikums plätze in den gelernten Berufen als Buchhalter und Automechaniker. Arbeit haben sie nicht. Damit sind sie typisch für viele Randalierer, die in diesen Tagen in ganz Frankreich in Schnellverfahren vor der Justiz stehen. Ein Phantombild des Durchschnittstäters zu zeichnen, fällt den Behörden aber schwer - einige sind noch Kinder, die Alters-Höchstgrenze scheint bei etwa 25 Jahren zu liegen und nicht wenige haben ganz normale Jobs. "Wir schnappen die, die am wenigsten schnell laufen", sagt ein Experte des Justizministeriums in Paris.
Die nationale Polizei hat einen "harten Kern" aus jungen Männern ausgemacht, die ihr "soziales Scheitern" erleben und "nichts zu verlieren" haben. In vielen Fällen seien 18- bis 25-Jährige die eigentlichen Anführer, das Werfen von Brandsätzen übernähmen die Jüngeren, die Sorgenkinder. "Einige benehmen sich wie Raubkatzen. Selbst ihre großen Brüder schaffen es nicht, sie zur Vernunft zu bringen."