" Es war der erste persönliche Kontakt der beiden Regierungen nach dem erbitterten Streit rund um das türkische Verfassungsreferendum, der in Nazi-Vergleichen von Präsident Recep Tayyip Erdogan gipfelte. Und es war ein Hoffnungsschimmer, dass eine Rückkehr zu normalen Beziehungen möglich sei.

Schon zwei Tage später lösten sich Gabriels Hoffnungen in Luft auf. Die türkische Regierung übermittelte dem Auswärtigen Amt am Samstag mündlich eine Nachricht, die die Eskalationsspirale weiterdreht. Denn jetzt droht der Abzug deutscher Soldaten aus der Türkei, was ein schweres Zerwürfnis zwischen den beiden Nato-Partnern bedeuten würde.

Der Grund: Die türkische Regierung hat deutschen Abgeordneten erneut untersagt, Bundeswehrsoldaten auf der Luftwaffenbasis Incirlik zu besuchen. Heute wollte eine Delegation des Verteidigungsausschusses zu dem Stützpunkt aufbrechen, von dem aus sich "Tornado"-Aufklärungsjets am Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat beteiligen.

Schon im vergangenen Jahr mussten die Ausschussmitglieder monatelang warten, bis sie nach Incirlik fliegen durften. Damals reagierte die türkische Regierung mit dem Besuchsverbot auf einen Bundestagsbeschluss, in dem das Vorgehen des Osmanischen Reichs gegen die Armenier vor mehr als 100 Jahren als Völkermord gewertet wird. Jetzt geht es darum, dass die Bundesregierung türkischen Soldaten Asyl gewährt hat.

Nachdem nun auch die Ausschussdelegation wieder nicht auf den Stützpunkt gelassen wird, fordern SPD, Linke und Grüne den Abzug der "Tornado"-Truppe. Die Bundesregierung droht zwar erstmals mit einem Abzug, will sich aber noch nicht festlegen. Die Entscheidung der türkischen Regierung sei "misslich", sagte Kanzlerin Merkel (CDU) am Montag vorsichtig.