Vor dem CIA-Sonderausschuss des Europa-Parlaments schilderte Kurnaz gestern in Brüssel, wie deutsche Soldaten ihn in Afghanistan misshandelten. Später hätten ihn deutsche Beamte zwei Mal auf dem US-Militärstützpunkt Guantánamo befragt, aber keinerlei Hilfe angeboten. Er habe nicht einmal Informationen von seiner Familie bekommen, sagte der Bremer mit türkischem Pass. Nach dieser ersten öffentlichen Aussage von Kurnaz vor Abgeordneten wuchs der Druck auf die Bundesregierung, sich zur Zusammenarbeit mit dem US-Geheimdienst CIA zu erklären. "Jetzt muss dringend aufgeklärt werden, wer, wann und wo die Verantwortung für das fünfjährige Martyrium dieses Mannes trägt", forderte der Europa-Abgeordnete Wolfgang Kreissl-Dörfler (SPD).
Kurnaz schilderte, wie er zu Beginn seiner Gefangenschaft im afghanischen Kandahar auf deutsche Soldaten traf. Sie hätten sich als Mitglieder der Spezialeinheit KSK ausgegeben. Er habe geglaubt, Hilfe zu bekommen. Doch die Soldaten hätten ihm erklärt, er stehe "auf der falschen Seite". Ein Uniformierter habe ihn an den Haaren gezogen: "Er sagte mir: "Wir sind das KSK" und schlug meinen Kopf auf den Boden", sagte Kurnaz. "Ich habe auch die deutsche Flagge auf ihren Uniformen gesehen."
Der Bundestagsabgeordnete Hellmut Königshaus (FDP), der für den deutschen Untersuchungsausschuss an der Brüsseler Vernehmung teilnahm, nannte Kurnaz' Aussage glaubwürdig: "Da ist Substanz drin, ja." Zwar gelte für die deutschen Soldaten in Afghanistan zunächst die Unschuldsvermutung, aber: "Wir wissen, dass es KSK-Soldaten gab, die auch Kontakte zu Herrn Kurnaz einräumen." Das habe eine interne Untersuchung des Verteidigungsministeriums ergeben.
Anfang 2002 wurde Kurnaz gefesselt und mit verbundenen Augen nach Guantánamo geflogen. Dort seien 2002 drei Deutsche aufgetaucht, zwei Jahre später nochmals einer von ihnen. Sie stellten sich dem Häftling nicht vor. Kurnaz' Anwalt erfuhr aus Unterlagen, dass die Männer vom Bundesnachrichtendienst und vom Verfassungsschutz kamen. "Es ist schon etwas anders gewesen als die Verhöre bei den Amerikanern", sagte Kurnaz. "Ich wurde zum Beispiel nicht geschlagen." (dpa/uf)