Jetzt ist seine Arbeit vollendet: In den acht Feldern des Gewölbes sind die Bildnisse wiedererstanden, die 1734 der Venezianer Giovanni Battista Grones für das protestantische Gotteshaus in Dresden geschaffen hatte. Sie stellen die vier Evangelisten Lukas, Matthäus, Markus und Johannes dar, jeweils dazwischen weibliche Allegorien für die Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung und Barmherzigkeit.
In fast 40 Metern Höhe war speziell dafür ein Hängegerüst installiert worden. Seit Mitte dieser Woche sind die Stahlträger, die am "Kuppelauge", über der mittleren Öffnung des Steingewölbes fixiert waren, und das darunter montierte Drehgerüst samt Elektro-Antrieb abgebaut. "Das war eine immens hilfreiche Konstruktion", sagt Christoph Wetzel rückblickend. "Einmal für die unmittelbare Malarbeit auf Putz, zum anderen für die Betrachtung aus der Distanz." Denn ein Knopfdruck schob die Arbeitsbühne beiseite, und dann konnte man zwischendurch Farbschattierungen, Proportionen und Verkürzungen von "Parterre" aus ungehindert begutachten. "Riesige Köpfe und Gliedmaßen in barocker Körperlichkeit richtig zu treffen, war schon eine Herausforderung, noch dazu, weil ja die Perspektive auf einer doppelt gewölbten Fläche stimmen musste."
Natürlich waren lange und intensive Studien vorausgegangen, bevor es der erfahrene Dresdner Maler und Zeichner unternahm, Stil und Technik des Theatermalers aus Venedig nachzuvollziehen. "Ich habe mir Werke von Grones auf Schloss Hubertusburg, barocke Kirchenmalerei in Wien und Venedig genau angesehen." Aber es sei auch darum gegangen, Farben nach jahrhundertealten Rezepturen zu mixen und so zu verwenden, dass sie dem überlieferten Ornamentschmuck und der barocken Illusionsmalerei entsprechen, wie sie auch für die Ausstattung im Innern der Frauenkirche charakteristisch waren. Farbstichige, 60 Jahre alte Dias von den Deckengemälden konnten nur wenig Aufschluss geben.
Christoph Wetzel resümiert: "Noch ist alles für mich etwas unwirklich - die Ehre, diesen Auftrag erhalten zu haben, die Anspannung und Last der Verantwortung während der Arbeit, die Freude und Erleichterung, es nach insgesamt zweieinhalb Jahren geschafft zu haben."
Den nunmehr ungehinderten Blick hinauf zur Kunst an der Kuppel können Besucher allerdings noch nicht genießen. Ende Juni fällt mit dem Abschluss der Arbeiten am Altar das letzte Gerüst im Innern des berühmten barocken Kirchenbaus von George Bähr. Der Einbau und die Intonierung der neuen, jetzt angelieferten Orgel von Daniel Kern aus Straßburg wird voraussichtlich bis September dauern. Die Weihe der Kirche findet am 30. Oktober 2005 statt.