ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:50 Uhr

Kupfersucher bei Weißwasser beginnt

Archivbild: 2009 wurde in Spremberg bereits nach Kupfer gebohrt. Foto: ZB
Archivbild: 2009 wurde in Spremberg bereits nach Kupfer gebohrt. Foto: ZB FOTO: ZB
Weißwasser. Mit Verzögerung beginnt der polnische Konzern KGHM nächste Woche mit den Vorarbeiten für die Kupferbohrungen. An vier Stellen nahe Weißwasser geht es in die Tiefe. Das Erkunden ist teuer, der Erfolg ungewiss. In Weißwasser verfolgt man die Bohrungen mit gedämpftem Optimismus. Von Daniel Preikschat

Jolanta Dmowska und Krzysztof Napierala haben ihre Präsentation im Rathaus von Weißwasser geschickt aufgebaut. Die Stadträte lernen zunächst beeindruckende Zahlen und Fakten kennen. KGHM Polska Miedz fördert europaweit das meiste Kupfer und das meiste Silber zutage, steht auf den projizierten Folien. Im Raum Lubin betreibt der Konzern mit seinen 18 500 Mitarbeitern drei Gruben und drei Hütten. 1,15 Milliarden Euro Gewinn hat KGHM im vergangenen Jahr gemacht. "Ungefähr so viel wie in Deutschland die Lufthansa", sagt Krzysztof Napierala den Stadträten freundlich lächelnd und in fast perfektem Deutsch. Für eine Tonne Kupfer, ergänzt er, werden derzeit rund 6400 Euro gezahlt. 30 Millionen Tonnen haben die Polen im vergangenen Jahr gefördert. Nur ein Viertel des wertvollen Rohstoffes braucht das Land selbst, wie die Weißwasseraner Stadträte weiter erfuhren, 22 Prozent werden nach Deutschland exportiert, 19 Prozent nach China.

Nicht nur die Stadträte in Weißwasser trauen es einem derart finanzstarken Konzern zu, auch in der Region Weißwasser Kupfer zu erkunden und zu fördern. Denn als Jolanta Dmowska und Krzysztof Napierala einen Tag nach ihrem Besuch in Weißwasser auch in Freiberg ihre Präsentation vorstellen, bescheinigt ihnen der Leiter des dortigen sächsischen Oberbergamtes: "Ihr Unternehmen ist in der Lage, diese nicht einfache und auch nicht billige Erkundung zu leisten." Reinhard Schmidt kennt die Polen allerdings schon länger und genauer als die Stadträte in Weißwasser. Bereits im Juni 2007 hatte seine Behörde KGHM erlaubt, im Norden des Landkreises Görlitz nach Kupfervorkommen zu suchen. Auf einem Gebiet, das sich von Weißwasser aus südlich bis zu den Gemeinden Boxberg und Rietschen erstreckt.

Tatsächlich gesucht jedoch hat KGHM in der Oberlausitz bis heute noch nicht. Die Konzession des Oberbergamtes ist Ende 2010 abgelaufen, wurde aber bereits bis Ende 2011 verlängert. Eine Entscheidung, die sich das Bergamt nicht leicht gemacht hat, wie Schmidt versichert. "Wir wollen es schließlich nicht zulassen, dass Unternehmen Abbaugebiete bunkern." Für den Oberberghauptmann und seine Mitarbeiter war der Grund der Verzögerung jedoch nachvollziehbar. Denn KGHM Polska Miedz hatte damals mit einer deutschen Firma aus Berlin gemeinsam die KGHM Kupfer AG gegründet. Die polnische Seite hielt 75, die deutsche 25 Prozent der Anteile. "Wir haben einen deutschen Partner gesucht, der Erfahrung mit den Bedingungen für die Kupfererkundung im Land hat", erklärt Krzysztof Napierala die Kooperation. Im Laufe der Zusammenarbeit stellte sich dann jedoch heraus, dass der Deutsche Partner die finanzielle Beteiligung nicht leisten wollte.

KGHM Polska Miedz hat die deutschen Anteile mittlerweile übernommen und wird die Erkundung allein stemmen. Mit 13 Millionen Euro, so Napierala, hat der Mutterkonzern seine Tochter jüngst ausgestattet. So teuer dürfe die Kupfersuche werden. Als Sitz der KGHM wurde Weißwasser gewählt. Ab nächster Woche hat Jolanta Dmowska dort ihren Arbeitsplatz. KGHM sucht aber noch einen Assistenten, der sie unterstützt und vertritt. Er soll aus der Region kommen.

Überhaupt, sagt Napierala, lege KGHM Wert auf regionale Anbindung. So werde ein erfahrenes Tiefbauunternehmen aus Krauschwitz bei Weißwasser ab nächster Woche die Baustellen für die Probebohrungen einrichten. Die Arbeitskräfte, die später vielleicht einmal das Kupferschiefer fördern und aufbereiten, sollten überwiegend ebenfalls aus der Region kommen. Mehrere tausend Menschen könnten einen Job finden.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. "Wir wollen nicht zu große Hoffnungen wecken", sagt Napierala. Entsprechend groß sei sonst später möglicherweise die Enttäuschung. Denn mit Blick auf die Refinanzierung ist das Kupfererkundungsgeschäft extrem riskant. Das lehre die Statistik, sagt Achim Freund von der Ingenieurgesellschaft Geos in Freiberg, mit der KGHM zusammenarbeitet. "Nur eine von zehn Erkundungen führt zum Abbau." Eine Kupfermiene einzurichten, samt Aufbereitung und Verhüttung, koste eine astronomisch hohe Summe. Deswegen werden nach den ersten vier Probebohrungen bis Ende dieses Jahres bei guten Ergebnissen noch drei weitere folgen, um ganz sicher zu gehen, so Freund.

In Weißwasser sind Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) und die Stadträte nur verhalten hoffnungsfroh. "Wir betrachten das ganz nüchtern, stehen dem Unternehmen aber für jede Unterstützung zur Verfügung", sagt Pötzsch. Sind die ersten Probebohrungen erfolgreich, werde sich Weißwasser vorzubereiten - damit aus einer ehemaligen Stadt des Glases eine Stadt des Kupfers werden kann.

Zum Thema:

Bohren in EtappenDie KGHM Kupfer AG führt zunächst an vier Stellen südlich von Weißwasser nahe der Bundesstraße 156 Bohrungen bis in 1500 Meter Tiefe vor. Dabei werden außerdem seismische Profile erstellt. Auf Grundlage der ersten Bohrungen wird ermittelt, ob die Ressourcen wirtschaftlich nutzbar sind. Aufgrund der zweiten Erkundung ergibt sich das mögliche künftige Abbaugebiet. Die Bohrplätze werden später rekultiviert. KGHM ist mit verschiedenen Grundbesitzern noch in Verhandlung. Mit den Ergebnissen der Erkundung erweitert KGHM zugleich ihr Know-how.