Zum Jahreswechsel sollen Handwerker und Bauleute den geschichtsträchtigen Komplex am Görlitzer Untermarkt verlassen, damit die Mitarbeiter des Schlesischen Museums das 1526 erbaute Gebäude und die beiden dahinter liegenden Häuser in Besitz nehmen können. Die Eröffnung des Schönhofs ist für den 1. Oktober 2005 schon fest eingeplant.
Das Museum in Görlitz wird in seiner künftigen Dauerausstellung Einblick in Geschichte und Kultur Schlesiens geben, eines Landstriches, der seit der Grenzziehung nach dem Zweiten Weltkrieg größtenteils auf polnischem Boden liegt. Kein Raum im Schönhof soll den Besuchern vorenthalten werden, damit jeder die Pracht des Hallenhauses mit eigenen Augen sehen kann. "Holzbalkendecken sind schöner als je erwartet wieder zum Vorschein gekommen, die originale Farbsubstanz ist gut erhalten", schwärmt Museumsdirektor Markus Bauer. Ein Raum wirke besonders authentisch, weil Decke und Putz darin sogar noch aus der Renaissance stammen. Passend zur Atmosphäre des Denkmals will das Museum altes Kunsthandwerk im Schönhof zeigen.
Das Mittelhaus soll den modernen Epochen vorbehalten sein. Eine Etage etwa wird der Breslauer Akademie gewidmet. Sie galt einst als zentraler Ort der klassischen Moderne in Deutschland. Das Museum erwarb 2002 eine bedeutende Privatsammlung, die Werke von Lehrern und Schülern der bis 1932 existierenden Kunstschule umfasst. Im Haus am Fischmarkt werden wechselnde Ausstellungen stattfinden. Es sei genügend Platz, um zwei parallele oder eine große Sonderschau zu präsentieren, schaut Bauer voraus.
Insgesamt rund 2000 Quadratmeter Fläche hat das Museum künftig zur Verfügung. Die Konzeption für die Dauerausstellung, die durchweg in Deutsch und Polnisch gestaltet wird, stehe in den Grundzügen, sagt der Direktor. "Wir wollen unsere Schätze zeigen und müssen überlegen, mit welchen Themen wir sie verbinden können", ergänzt er. Der Bestand an Exponaten sei kontinuierlich gewachsen. Erst Ende 2003 hat das Museum eine Sammlung von fast 1000 Grafikblättern als Dauerleihgabe erhalten. Die Arbeiten aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts zeigen Ansichten aus Schlesien, beispielsweise vom Riesengebirge oder zur Industriegeschichte.
Seit Ende 2001 empfängt das Museum neben dem Schönhof schon Besucher im Haus zum Goldenen Baum am Görlitzer Untermarkt. Die dort gezeigte Ausstellung "Auf der Suche nach Schlesien" wird im Frühjahr allerdings komplett abgebaut, um Platz für eine Sonderschau über die Breslauer Akademie zu schaffen. Diese öffnet am 26. Juni und präsentiert Arbeiten aus der Privatsammlung, die Hans Peter Reisse aus Kassel innerhalb von 30 Jahren zusammentrug. "Wir werden in der Ausstellung mehr daraus zeigen können als später im Schönhof", verrät Bauer.
Voraussichtlich bis ins Frühjahr 2005 hinein werden die Werke aus der Breslauer Akademie zu sehen sein. Neben der Verwaltung wird künftig auch das Magazin im "Goldenen Baum" untergebracht sein, denn die meisten Schätze sind derzeit noch ausgelagert. Das schöne Haus soll dem Publikum jedoch künftig nicht gänzlich verschlossen bleiben, sondern zu Feiern und Festen geöffnet werden.
Informationen im Internet: www.schlesisches-museum.de