"Wir sind nach dem Hickhack der vergangenen Jahre glücklich, dass in Sachsen eine gesetzliche Sonderregelung für den Dezember 2006 getroffen wurde", spricht Knabe für viele Händlergemeinschaften in Südwestsachsen. Sofortige Zustimmung kam auch von der Stadt Annaberg-Buchholz. Im Land der stimmungsvollen Vorweihnacht gehört es einfach dazu, Touristen neben dem Bummel durch die Budenstädte, dem Besuch von Museen und Schaubergwerken auch das Einkaufen in den Geschäften zu ermöglichen.
Sowohl die Freigabe der Ladenöffnung nach dem Hochwasser 2002 in Sachsen wie auch eine erste "Weihnachtsmarktempfehlung" des Wirtschaftsministeriums an die Kommunen im vergangenen Jahr waren von den Gerichten untersagt worden. Das damalige Ladenschlussgesetz verbot ausdrücklich die Sonntagsöffnung im Dezember. Mit der Übertragung der Regelungskompetenz vom Bund auf die Länder hatten sich nun viele Bürger und Händler mehr Freiheit erhofft.
Centermanager Knabe würde gern sieben bis acht Sonntage im Jahr öffnen. Das sei nicht Wunschdenken eines Immobilienverwalters, sondern Resultat einer seriösen Kundenbefragung. "Dabei waren 60 Prozent für mehr offene Sonntage. Es ist eine ärgerliche Situation, dass wir nicht können, wenn der Kunde will", verweist Knabe auf den Regierungsentwurf für das sächsische Ladenöffnungsgesetz, das maximal vier Verkaufssonntage pro Jahr vorsieht und mit der CDU/SPD-Mehrheit wohl auch so beschlossen werden wird.
Auch Ilona Roth, Geschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Südwestsachsen, ist mit diesem Punkt unzufrieden. "Die vier Sonntage werden doch hier im Erzgebirge allein im Advent 'aufgefressen'. Mehr Spielraum der Kommunen beispielsweise bei Stadt-und Volksfesten wäre notwendig." Sie plädiert für wenigstens sechs Einkaufssonntage.
Für Tino Günther, Kunsthandwerker in Seiffen und FDP-Landtagsabgeordneter, ist die IHK-Haltung halbherzig. "Unser eigentliches Geschäft sind die Sonn- und Feiertage, wenn die Touristen kommen", sagt er. Der in den Landtag eingebrachte Gesetzentwurf seiner Partei wolle die Entscheidung über Sonn- und Feiertage den Kommunen überlassen, die am besten wüssten, wie die Situation vor Ort sei.
Die Chemnitzer IHK fordert seit Jahren die Regelungskompetenz durch die Länder - mit dem Ziel, dass dann lokale Besonderheiten und Traditionen besser berücksichtigt würden. Jetzt, wo die Vorschaltregelung gilt, lobt die IHK die Gleichbehandlung der Händler in ganz Sachsen und empfiehlt, sich mit der Beratung des eigentlichen Gesetzes Zeit zu lassen. Hier bestehe kein akuter Handlungsbedarf. Händler und Kunden der Region hätten sich in Umfragen zu 70 Prozent für die Beibehaltung der Ladenöffnung an Werktagen ausgesprochen.
Das Leben spielt da möglicherweise anders. "Wenn die sich nicht bewegen, fahren wir eben nach Gera", machte am Donnerstagabend eine Kundin im Chemnitz Center deutlich. Thüringen hatte an diesem Tag das Einkaufen rund um die Uhr an Wochentagen freigegeben.