Herr Wöller, wird den Abwerbeversuchen anderer Länder mit der „Stralsunder Erklärung” ein Riegel vorgeschoben?

Leider nein. Die Länder haben sich zwar für Fairness im Wettbewerb und für eine vertrauensvolle Abstimmung bei der Rekrutierung von Lehrern ausgesprochen. Was das aber konkret heißt, ist offen geblieben.

Also eine kraftlose Erklärung?

Wichtig ist, dass wir die Weichen dafür gestellt haben, dass der Lehrernachwuchs langfristig gesichert wird. Dazu wird jetzt der genaue Bedarf ermittelt. Wir sind uns dabei darüber einig, dass jedes Land seinen eigenen Bedarf selbst ausreichend decken soll und die nötigen Ausbildungskapazitäten dafür vorhält. Auch Baden-Württemberg hat sich dazu bekannt. Insofern ist die „Stralsunder Erklärung” durchaus ein Erfolg für den langsamen Tanker Kultusministerkonferenz.

Wie geht Sachsen mit Abwerbeaktionen anderer um?

Wir verhandeln jetzt ganz konkret mit Baden-Württemberg über eine Rückkehrer-Option für Sachsen. Wir wollen schon im Frühjahr zu einer verbindlichen Vereinbarung kommen, damit Lehrer nach drei Jahren auch bei uns wieder eine Perspektive haben. Das wird insbesondere für jene Kollegen interessant, die in Baden-Württemberg nicht verbeamtet, sondern angestellt werden.

Auch Sachsen droht künftig Lehrermangel. Hat das Land ausreichend Ausbildungskapazitäten, um seinen Bedarf zu decken?

Die Lehramtsausbildung hat derzeit leider nicht die Bedeutung, die sie eigentlich haben sollte. Das muss anders werden. Lehramtsstudenten sind keine Akademiker zweiter Klasse. Ich erwarte von den Universitäten in Dresden und Leipzig, dass sie ihre Hausaufgaben machen und die benötigten Kapazitäten bereitstellen. Denn die Zahl der Studenten, die sich eingeschrieben haben, reicht für den Bedarf der Zukunft nicht aus. Positiv formuliert: Wer sich jetzt für ein Lehramtsstudium einschreibt, hat Mitte des nächsten Jahrzehnts hervorragende Chancen.

Sie wollen sogar Einstellungsgarantien geben?

Solche Ideen sind in Vorbereitung. Dazu können wir Mitte des Jahres mehr sagen.

Mit Roland Wöller

sprach Sven Heitkamp