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| 14:45 Uhr

In Werenzhain
„Wanderungen“ im Atelierhof

 Steffen Mertens zeigt die Allegorie „Wanderzirkus“ als Kleinskulpturengruppe.
Steffen Mertens zeigt die Allegorie „Wanderzirkus“ als Kleinskulpturengruppe. FOTO: Jürgen Weser
Werenzhain. Zwölfte Elbe-Elster-Kunstausstellung zeigt Schaffen von 30 Künstlern in Werenzhain – vielfältig und ausdrucksstark Von Jürgen Weser

Der Elbe-Elster-Kreis ist für bildende Künstler eine gute Adresse. Bereits zum zwölften Mal findet die im zweijährigen Rhythmus veranstaltete Kunstausstellung für Berufskünstler statt. Diesmal bietet der Atelierhof Werenzhain, der seit mehr als zwei Jahrzehnten ein angesagter Ort für Kunstevents ist, beste Bedingungen für die Kunstschau. Insgesamt 30 Künstler aus dem Elbe-Elster-Kreis, aus den Partnerkreisen Naklo und Raciborz (Polen), aus dem Märkischen Partnerkreis (NRW) und aus der Niederlausitz zeigen zum an das Fontane-Jahr angelehnten Thema „Wanderungen“ eine vielfältige Schau ihrer Kunstwerke.

Landrat Christian Heinrich-Jaschinski und Laudator Herbert Schirmer hoben die Künstler als wichtige Impulsgeber für die Region hervor. Mit dem von den Künstlern ganz unterschiedlich interpretierten Thema „Wanderungen“ habe man vor allem „Wanderungen durch die Niederlausitz im Blick gehabt“, so Kulturamtsleiter Andreas Pöschl.

Beim Rundgang durch den Saal, die Ausstellungsräume, über den Hof und durch die ehemaligen Stallungen und Scheunen des Vierseitenhofes erleben die Besucher trotz der Vielschichtigkeit der Ausdrucksformen, Materialien und Blickwinkel der Künstler ein stimmiges Gesamtkunstwerk. Lob gab es dafür für die Kuratorinnen Iris Stöber und Ursula Bierther.

Auch wenn hier nicht annähernd auf alle Künstler und Werke eingegangen werden kann, so sollen doch für die Ausstellung typische Sichtweisen ihrer künstlerischen „Wanderungen“ benannt werden. Wahrnehmungsklischees unserer Zeit werden durchbrochen, wenn etwa Kurt Kornmann aus dem Märkischen Kreis den Fontane-Schilderungen des Spreewaldes als Natur­idylle seine Beobachtungen von erdig-braunen Eisenoxyd-Farbtönen auf seinen „Spreewald“ Bildern als Warnung hervorhebt.

Beglückende und inspirierende Momente beim Spaziergang durch die Natur zeigt der polnische Künstler Adam Adamczyk auf seinen Ölbildern wie „Herbsttag in Zabelkovo“ und Marzenna Otto mit farbenfroher realistischer Wiedergabe ihren „Wald“ als Ölbild, während E.R.N.A. mit 24 Fußabdrücken Wanderung auf den ursprünglichen Sinn zurückführt. Katrin Meißner moduliert mit großformatigen und durch Bitumen und Kohle sowie Lackfarbe aufs Papier gebrachte Wanderdarstellungen Landschaftsformen der Lausitz malerisch wie der Fotograf Thomas Kläber mit seinen Bildern aus den Kohlerevieren beim Betrachter Nachdenklichkeit über den Widerstreit zwischen Naturbeschädigung und entstandener neuer Schönheit in Gang setzt.

Die Flüchtigkeit von Wander-Impressionen versinnbildlicht die Werenzhainer Glaskünstlerin Angela Willeke hier als „Abtauchen“ mit temporärer Öl-Wasser-Malerei auf Alu-Diband.

Nicht vorbei kommt der Betrachter an Paul Böckelmanns aufrüttelndem schon aus dem 80er-Jahren stammenden „Zug“, der als monumentaler Holzschnitt visionär „Wanderung“ als ein Abdriften in militant-profaschistische Umzüge der heutigen Zeit darstellt.

Der kraftvolle „Wanderer“ als großformatiges Ölbild vom verstorbenen Maler Eckhard Böttger steht dagegen als soziales Gegengewicht. Mit ihrer Stahl/Eiche Skulptur „Alle in einem Boot“ macht Claudia Mölle auf existenzielle Fragen unserer Zeit aufmerksam und Steffen Mertens, der mit vielfältigen Arbeiten auffällt, dokumentiert mit künstlerischer Freiheit das Thema Flucht mit der kleinformatigen Objektdarstellung als „Wanderzirkus“.

Zwischen Harmonie und beglückenden Umständen bis zu nachdenklich machenden und provozierenden Sichtweisen erleben Ausstellungsbesucher eine Fülle unterschiedlichster Eindrücke auf ihrer „Wanderung“ durch die Schau. Ein Spaziergang reicht dafür kaum aus.


Die Elbe-Elster-Kunstausstellung „Wanderung“ ist bis zum 4. August im Atelierhof Werenzhain, Hauptstraße 76, 03253 Doberlug-Kirchhain/OT Werenzhain zu sehen.

 Die Allegorie „Wanderzirkus“ als Kleinskulpturengruppe
Die Allegorie „Wanderzirkus“ als Kleinskulpturengruppe FOTO: Jürgen Weser