Es war das Jahr der großen Themenvielfalt auf der Leinwand, für jede Zielgruppe waren Highlights dabei. Die kirchenkritische Verschwörungstheorie im "Da Vinci Code - Sakrileg" bewegte die Gemüter ebenso wie Wandlung eines Stasi-Spitzels in "Das Leben der Anderen". Das Publikum hat den deutschen Kinos nach der Krise vom Vorjahr ein schönes Plus beschert.
Mit insgesamt fünf bis zehn Prozent mehr Umsatz und Besuchern rechnet der Verband der deutschen Filmverleiher (VdF) bis zum Jahresende. Zu diesem Ergebnis trugen nach Ansicht von VdF-Geschäftsführer Johannes Klingsporn maßgeblich auch deutsche Filme bei. Acht so genannte "Besuchermillionäre" sind deutsche Produktionen, sechs davon liegen innerhalb der Top 20 der bisherigen Jahres-Filmcharts.
Im Herbst stellten die Deutschen sogar zehn Wochen lang nonstop den Spitzenreiter der Kinocharts, eine Leistung, die zuletzt vor 20 Jahren gefeiert werden konnte: Zuerst gab Tom Tykwers sinnliche Literaturverfilmung "Das Parfum" den Ton an und brachte es als erfolgreichster deutscher Film des Jahres auf 5,5 Millionen Besucher. Danach weckte Sönke Wortmann mit "Deutschland. Ein Sommermärchen" Erinnerungen an die traumhafte Stimmung während der Fußball-WM und lockte knapp vier Millionen Menschen ins Kino. Gleich anschließend kalauerten sich die "7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug" (3,4 Mio Besucher) wochenlang mit ihren Zipfelmützen auf den Gipfel der Charts.
Doch ganz an die Spitze Jahres Top-Ten sind die eiszeitlichen Freunde aus dem Animationsfilm "Ice Age 2" geschliddert (8,7 Mio). Eine andere Hit-Fortsetzung kaperte Platz 2, "Fluch der Karibik 2" (7,1 Mio). Die gute Nachricht für Fans des fantasievollen Piratenspektakels: "Fluch 3" kommt im Mai und auch Teil 4 ist schon in Arbeit. Auf den dritten Platz der Kinocharts 2006 brachte es die Bestseller-Verfilmung "Sakrileg" mit Tom Hanks. Schon Wochen vor seinem Kinostart hatte der Thriller um die Vermutung, Jesus Christus könne eine Tochter gezeugt und auch heute noch lebende Nachfahren haben, die Feuilletons beschäftigt.
Einen Aufstieg der besonderen Art erlebte der blonde Brite Daniel Craig: Sein Wechsel vom Charakterfach zur Genre-Ikone James Bond bescherte ihm zunächst hämische Kommentare in den Klatschspalten als "Automatikgetriebe-Fahrer" und "Schwimmwesten-Träger". Doch sein kraftstrotzender Auftritt in "Casino Royale" ließ die Lästermäuler beschämt verstummen. Mit seiner Mischung aus Gefühl und Härte gilt Craig jetzt als "moderner Bond", als "neuer Mann", der Prügel einstecken und Tränen weinen kann. "Casino Royale" packte nach wenigen Wochen die Vier-Millionen-Marke - und Daniel Craig kämpft ja noch weiter.
Tief greifende Debatten umspülten "Das Leben der Anderen", den Debüt-Spielfilm des 33 Jahre alten Regisseurs Florian Henckel von Donnersmarck. Das ernsthafte Stasi-Drama hatte in Deutschland zwar nur knapp die Hälfte der Zuschauer der "7 Zwerge", fand im Gegensatz zum Komödien-Einerlei auch international höchste Beachtung. "Das Leben der Anderen" räumte in Deutschland und Europa eine Auszeichnung nach der anderen ab. Nach einer Golden-Globe-Nominierung kann Henckel von Donnersmarck auch auf den Start beim Rennen um die Oscars hoffen.