Es ist kurz vor Weihnachten, aber in den endlosen Straßenschluchten leuchtet nirgends ein Stern. Keine Hoffnung. Nur ein fünfjähriges Mädchen wird von einer Fee mit einer kugelsicheren Weste beschützt. Los Angeles kann sehr kalt sein.
Der am Sonntag in Hollywood mit dem Oscar als bester Film des Jahres ausgezeichnete Film stammt von Paul Haggis, der bereits das Drehbuch für Clint Eastwoods vierfach oscarprämiertes Boxerdrama "Million Dollar Baby" geschrieben hatte. Haggis entwirft in seinem hochkarätig besetzten Debütfilm als Regisseur das vielschichtige Panorama einer Metropole zwischen Hysterie und Depression.
In Deutschland wollten den bereits im Sommer 2005 in die Kinos gekommenen Film lediglich 220 000 Zuschauer sehen. Weltweit spülte der mit einem für Hollywood-Verhältnisse winzigen Budget von 6,5 Millionen Dollar produzierte Streifen aber nach Angaben des Filmverleihs Universum (München) 83,4 Millionen US-Dollars (69,3 Millionen Euro) in die Kinokassen.
"Wir wollten ,L.A. Crash' eigentlich schon nach der Nominierung für die Golden Globes noch einmal auflegen, aber viele Kinos hatten Bedenken, weil es ja auch schon den Film auf DVD gibt", sagt Jasna Vavra von Universum zum neuen deutschen Kinostart mit 50 Kopien. Nachdem viele Rezensenten "L.A. Crash" als einen der besten Filme des Jahres gelobt hätten und jetzt der Oscar diese Einschätzung kröne, sei dies natürlich kurzfristig doch noch machbar.
Ein gutes Dutzend Charaktere bevölkern dieses ambitionierte Asphaltdrama, namhafte Schauspieler wie Don Cheadle, Brendan Fraser, Matt Dillon, Jennifer Esposito oder Sandra Bullock spielen sehr glaubwürdig Menschen am Rande der Verzweiflung.
Der Vergleich mit großen Vorläufern drängt sich auf, an Robert Altmans geniale "Short Cuts" (1993), Curtis Hansons "L.A. Confidential" (1997) oder Paul Thomas Andersons apokalyptische Endzeitvision "Magnolia" (1999). Haggis entwirft in 113 Minuten einen ehrgeizigen Episodenfilm, um in schnellen Szenen seine Geschichten zu erzählen. Nicht nur Sandra Bullock als frustrierte Anwaltsgattin Jean Cabot hat dabei wenig Gelegenheit, um die Charakterolle mit Leben zu füllen.
Dafür wird über Rassismus doziert, der Zuschauer erfährt einiges über das marode Gesundheitssystem der USA, Korruption bei der Polizei wird thematisiert oder die Probleme des multikulturellen Miteinanders. "L.A. Crash" packt jede Menge heiße Eisen an, um sie schnell wieder fallen zu lassen. Am Ende einer langen Nacht schneit es in der Stadt der Engel, und dies allein wirkt dann schon wie ein kleines Wunder.
(USA 2004, FSK ab 12, von Paul Higgis, mit Sandra Bullock, Mat Dillon, Don Cheadle)