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| 01:00 Uhr

Zwischen Hollywood und Mittelfranken

Man schreibt das Jahr 1958, und die Deutschen geben ihr frisch verdientes Geld an der italienischen Riviera aus. Um die Gäste zu unterhalten, wird eine „Miss Viareggio“ gewählt. Von Christoph Driessen

Elke Schletz, eine 18-jährige angehende Fremdsprachenkorrespondentin aus Erlangen, gewinnt den Titel. Ein italienischer Regisseur sieht ihr Bild in der Zeitung, engagiert sie für den Film, sie wechselt nach Hollywood, gilt zeitweise gar als neue Monroe. Es ist ein schier unglaubliches Leben, auf das Elke Sommer heute an ihrem 65. Geburtstag zurückblicken kann.
Sie habe "es nie darauf angelegt, Schauspielerin zu sein", sagte sie noch in diesem Jahr. Wenn ihr der ganz große Durchbruch versagt bleibt, so dreht sie doch 70 Filme, unter anderem mit Albert Finney, Melina Mercouri, Romy Schneider, Paul Newman, Peter Sellers, Bob Hope und Glenn Ford. Meist ist sie dabei auf den Part der vollbusigen Sexbombe festgelegt. Eine typische Rolle ist zum Beispiel ihr Auftritt als zickig-unerschrockenes Westerngirl Annie in der erfolgreichsten der deutschen Karl-May-Verfilmungen, "Unter Geiern" (1964). Zwei Mal posiert sie auch für den Playboy. Der Schah von Persien bietet ihr für eine gemeinsame Nacht in seinen Gemächern ein Colliers mit Smaragden und Diamanten - sie lehnt ab.
Privat ist sie immer die bildungsbewusste Pfar rerstochter geblieben, die sieben Sprachen spricht und sich unter dem Pseudonym E. Schwartz längst auch einen Namen als Malerin gemacht hat. Dass sie sich immer eine gesunde Distanz zu Hollywood bewahrte, zeigt auch ihre Verwurzelung in der fränkischen Heimat: Einerseits hat sie wie ein richtiger Hollywood star ihre Villa in Beverly Hills und liebt schnelle Autos. Aber daneben hat sie auch noch einen Wohnsitz in Erlangen. Als sie 1993 in zweiter Ehe den New Yorker Hotelmanager Wolf Walther heiratete, wählte sie dafür das mittelfränkische Uttenreuth: Das Brautpaar fuhr im blumengeschmückten Heuwagen vor.