Nach "Redacted" von Hoollywood-Regisseur Brian De Palma ("Mission: Impossible"), der zunächst eher verhalten aufgenommen wurde, gab es für Regisseur Paul Haggis ("Crash") bei der Galavorführung am Samstagabend zehn Minuten lang Standing Ovations. "In the Valley of Elah" heißt sein bedrückender Beitrag mit Charlize Theron und Susan Sarandon. Erzählt wird die verzweifelte Suche eines US-Veteranen nach seinem Sohn, der kurz nach der Rückkehr aus dem Irak ermordet wird. Beide Filme gelten bereits als Anwärter für den begehrten Goldenen Löwen.

Soziale Studie
"In meinem Film geht es eigentlich nicht um den Krieg im Irak", erzählt der 54-jährige Haggis, "sondern es handelt sich um eine Art soziale Studie über den so genannten post combat stress", die psychische Belastung von Soldaten nach traumatischen Kriegserlebnissen. Auch gehe es ihm nicht in erster Linie um eine politische Stellungnahme gegen US-Präsident George Bush. Haggis' Botschaft: "Ich habe ein Amerika darstellen wollen, das dringend Hilfe braucht." Vor allem die Soldaten selbst.
Über weite Strecken ist der Film wie ein Thriller aufgezogen. Nach einem Anruf, dass sein Sohn verschollen ist, macht sich der alternde Ex-Soldat (großartig gespielt von Tommy Lee Jones) auf die Suche. Unterstützt von einer Polizistin (Theron, die für ihre Rolle schon als Oscar-Anwärterin gehandelt wird) taucht er ein in die kaputte, aggressionsgeladene Welt der Irakheimkehrer - und entdeckt, dass sein Sohn während einer durchzechten Nacht von seinen eigenen Kameraden ermordet wurde. Doch der Vater muss noch viel mehr erfahren - etwa dass sein Sohn im Irak verletzte irakische Gefangene folterte und als Panzerfahrer bewusst ein kleines Kind überfuhr. Zurück bleibt ein völlig desillusionierter Veteran.
Haggis Beitrag und De Palmas Film, bei dem es um die Vergewaltigung und Ermordung einer 14-jährigen Irakerin durch US-Soldaten geht, haben vieles gemeinsam. Beide orientieren sich an wirklichen "Vorfällen" im Irakkrieg, beide haben ausführlich das Internet genutzt, um die Gräueltaten zu recherchieren. Beiden geht es um die "dunkle Seite des Krieges", die zivilen Opfer, die Übergriffe auf Frauen und Kinder, die die US-Medien bewusst ausklammerten.

US-TV berichtet nicht
"Im Internet ist alles zu sehen, aber das US-TV berichtet nicht darüber", sagt De Palma. "Während des Vietnamkrieges sind auch die hässlichen Dinge des Krieges im amerikanischen Fernsehen zu sehen gewesen", sagte Haggis vor Journalisten am Lido. Heute würden die US-Medien faktisch von der Regierung kontrolliert, berichteten "nur das, was dem Pentagon gefällt". Daher seien es jetzt die Künstler und Filmemacher, die die schmutzige Seite des Krieges ins Bewusstsein der amerikanischen Öffentlichkeit bringen müssten. "Jetzt liegt es in der Verantwortung der Künstler, diese Bilder zu zeigen." Beide Regisseure treibt aber bereits eine weitere Furcht um: Wird ihr Film in den USA von den Verleihern behindert werden?