Auf der Rückseite standen die Abfahrtszeiten von Zügen in Richtung Südwesten. An verschiedenen öffentlichen Plätzen sah man zudem Plakate, auf denen diese Weihnachtsbotschaft mit einem durchgestrichenen Ostberliner Ortsschild versehen war, inklusive der Entfernungskilometer nach Erlangen, Koblenz und Stuttgart-Sindelfingen.
Schnell kamen Fragen auf: War das satirische Straßenkunst„ War es eine verspätete Aktion von DDR-Nostalgikern, worauf die Unterzeile auf dem Ortsschild deuten könnte, die einst offizielle Bezeichnung der DDR-Hauptstadt: "Ostberlin - Stadt des Friedens"“
Auf jeden Fall war es ein kleiner öffentlicher Aufreger vor dem Fest der Nächstenliebe, weil offenkundig eine subversive Protestaktion gegen die Verschwabisierung von Prenzlauer Berg. Man könnte sagen, es war eine Art heimlicher Bund der vertriebenen Prenzlberger, der die jedes Jahr übliche Weihnachts-Heimreisewelle der Zugezogenen zum Anlass nahm, auf die Befindlichkeiten des kleinen Rests Einheimischer aufmerksam zu machen.
Tatsächlich gab es in kaum einem anderen Berliner Kiez nach dem Mauerfall einen derart großen Bevölkerungsaustausch, wobei viele Zuzügler aus Westdeutschland eine (alternative) Gutbürgerlichkeit in den Bezirk brachten, die nicht jedem behagt.
Die meisten werden den kleinen Protestspaß zum Jahresende letztlich nur als eine nette Geschichte werten, die irgendwie auch ganz schön zum "Arm, aber sexy"-(Selbst)bild Berlins passt, von dem die westdeutschen Prenzlberger an Weihnachten ihren Verwandten und Freunden zu Hause wahrscheinlich vorschwärmen. Das hat ja auch sein Gutes, denn so kommen dieses Silvester wieder hundertausende Besucher, um in der ansonsten eher ungeliebten Hauptstadt mal ordentlich Party zu machen.
Die einen feiern am Brandenburger Tor beim Megaevent mit den Chartstürmern Sugababes und Scissor Sisters und die anderen in den Clubs, gern auch im Prenzlauer Berg.