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Europaweit
Zittau will Kulturhauptstadt 2025 werden

Die Epitaphiensammlung bildet die jüngste kulturelle Attraktion der Stadt Zittau, die sich als Kulturhauptstadt Europas bewerben will.
Die Epitaphiensammlung bildet die jüngste kulturelle Attraktion der Stadt Zittau, die sich als Kulturhauptstadt Europas bewerben will. FOTO: Uwe Menschner
Zittau. In der Bewerbung sollen das kulturelle Erbe und auch das zeitgenössische kulturelle Leben wichtige Rollen spielen Von Uwe Menschner

Zittau will Europas Kulturhauptstadt des Jahres 2025 werden. Der Stadtrat hat Oberbürgermeister Thomas Zenker (Freie Wähler) einstimmig beauftragt, eine entsprechende Bewerbung vorzubereiten sowie die erforderlichen Strukturen zu schaffen. Dazu gehören die Bildung einer Steuerungsgruppe, der auch Vertreter des Landratsamtes angehören sollen, sowie eines Kuratoriums.

„Aus Sicht des Stadtmarketings ist es notwendig, sowohl nach außen deutlich an der Bekanntheit unserer Stadt zu arbeiten, als auch nach innen einen höheren Grad der Zustimmung, Überzeugung und Begeisterung zu erreichen“, erklärt Thomas Zenker die Intention für diesen Vorstoß. In den vergangenen Jahren sei viel geleistet worden: „Der Wirtschaftssektor hat sich gefestigt, der Stadtumbau wurde auf einen erfolgreichen Weg und nahezu die gesamte Infrastruktur auf ein zeitgemäßes Level gebracht. Kunstschätze wurden gerettet, Baudenkmäler für die Nachwelt erhalten, die Kulturlandschaft Zittau ist trotz aller Schwierigkeiten gewachsen.“ Jetzt gelte es, „durch eine wertschätzende Außenwahrnehmung die Attraktivität von Stadt und Umland als Lebensmittelpunkt zu erhöhen.“ Einen konkreten Zeitplan beinhaltet der Stadtratsbeschluss noch nicht. Jedoch muss das „Gerüst“ der Bewerbung bis 2019 stehen, denn dann wird die Bundesrepublik Deutschland die Kandidatenstädte zum Einreichen der Bewerbungen auffordern.

Zittau verfügt über eine große Anzahl von kulturellen Besonderheiten und Attraktionen. An erster Stelle stehen dabei in der überregionalen Wahrnehmung zweifellos die beiden Fastentücher. Sie entstanden 1472 (Großes Fastentuch) beziehungsweise 1573 (Kleines Fastentuch) und erzählen in Bildern und Symbolen die Geschichte Gottes und der Kreuzigung Christi. Das Große Fastentuch wird nach umfassender Restaurierung seit 1999 in der Kirche zum Heiligen Kreuz, das Kleine Fastentuch seit 2005 im Franziskanerkloster öffentlich präsentiert.

Ein weiteres Kulturerbe von europäischer Bedeutung aus längst vergangener Zeit ist erst seit kurzem wieder öffentlich zugänglich: Der Zittauer Epitaphienschatz. Dabei handelt es sich um Grabplatten aus Zittauer Kirchen, die im 16. und 17. Jahrhundert entstanden. „Die Epitaphien gestatten einen eindrucksvollen Blick in die Lebenswelten des Reformationszeitalters, sie zeugen auf intime und anrührende Weise vom Glauben und Hoffen, vom Schicksal und den Nöten der Menschen der damaligen Zeit“, so der Direktor der Städtischen Sammlungen Zittau, Dr. Peter Knüvener. 80 dieser Denkmäler, mehr als in jeder anderen europäischen Stadt, sind dauerhaft in der eigens dafür hergerichteten früheren Klosterkirche ausgestellt (bis zum 8. Januar 2018 noch im Rahmen der zentralen Reformationsausstellung der Oberlausitz).

Der Anspruch Zittaus als Kulturstadt von europäischer Geltung begründet sich aber nicht nur aus dem von früheren Generationen überlieferten Erbe. „Im Jahr 2011 gab sich die Stadt Leitlinien für die kulturelle Ausrichtung Zittaus. Deren Hauptziele sind der Erhalt und ein qualitativ hochwertiges Angebot der Institutionen Gerhart-Hauptmann-Theater, Christian-Weise-Bibliothek, Städtische Museen, Tierpark Zittau und Soziokulturelles Zentrums ‚Hillersche Villa‘ sowie die Unterstützung kultureller Projekte und Vereine“, betont Oberbürgermeister Thomas Zenker. Auch dies werde bei der Kulturhauptstadtbewerbung eine gebührende Rolle spielen.