Beide sind Jahrgang 1960, stammen aus Villach in Kärnten und Baden Württemberg, absolvierten von 1988 bis 1990 die Staatliche Fachhochschule für Fototechnik in Berlin.
Ausschlaggebend für ihr ungewöhnliches Projekt muss die Euphorie gewesen sein, die auch sie unmittelbar nach dem Fall der Mauer erfasst hatte. Plötzlich lag das fremde Land namens DDR direkt vor der Haustür. Ein Konzept hatten sie zunächst nicht, erfährt man in der Ausstellung "Übergänge - Von der DDR zur Bundesrepublik Deutschland" im Deutschen Historischen Museum Berlin. Das kam später, fast zwangsläufig, als ihnen im Neuland zwischen Spree und Oder bewusst wurde, dass sich eine solche Gelegenheit nie wieder bieten wird.
Vor der Kamera agieren Kindergärtnerinnen, Zootechnikerinnen, Lehrerinnen, Verkäuferinnen, Näherinnen, Schlosser, Tischler, Ärzte, Hoch- und Tiefbauarbeiter. Die mit Statements versehenen Bilder machen das Tempo eines Wandels sichtbar, der seinesgleichen sucht. Dazu beigetragen hat wohl auch die Aufgeschlossenheit, mit der ihnen die meisten begegneten.
Für Heinz Iwanowski aus Oranienburg, Jahrgang 1934, kam mit der Wende das berufliche Aus. Man sieht ihn im Arbeitskittel an seinen alten Maschinen im VEB Kaltwalzwerk Oranienburg, zwei Jahre später als Vorruheständler, der sich als Hobby-Gärtner daheim betätigt. Das dritte Foto zeigt ihn als "Vollrentner" mit Haus, Garten und Goldfisch-Teich, die seine kleine Welt geworden sind. Dort, wo einst "sein" Werk stand, befindet sich ein Einkaufszentrum. "Krupp verkaufte die alten Maschinen nach China, die neuen gingen nach Bochum", sagt Iwanowski.
Axel Streck, Jahrgang 1960, ehemals Lehrling beim VEB Wohnungsbaukombinat Potsdam, der sich nach der Wende mit Kurzarbeit über Wasser hielt, steht heute einem selbstständigen Bauunternehmen mit sieben Beschäftigten vor. Selbstbewusst steht er in seinem Büro, sichtlich zufrieden mit dem, was er aus eigener Kraft auf die Beine gestellt hat.
Bewundernswert, wie viele trotz biografischer Brüche der neuen Herausforderung die Stirn bieten. Die Fotografin Angelika Kampfers bringt das auf die schlichte Formel: "Die Menschen nehmen ihr Leben doch mit." Christel Socke, Jahrgang 1947, gelernte Maurerin aus Weißwasser, die von 1969 bis 1962 ein Ingenieurhochschulstudium in Cottbus absolvierte und viele Jahre Abteilungsleiterin im Kraftwerk Boxberg war, gehört dazu. Drei Porträts spiegeln verschiedene Lebensphasen wider, zweimal am Schreibtisch als Bürgermeisterin von Reichwalde, 2004 nach Eingemeindung als Ortsvorsteherin von Boxberg im Büro zu Hause, ein wenig älter geworden, aber ungebrochen aktiv bei der Bewältigung des bürokratischen Alltags, wie es scheint.
"Keine großen Änderungen, bin zufrieden, spiele privat weiter Puppentheater", sagt Jörg-Rüdiger Rennhack kurz und zackig, der wie die anderen neben ihm stehenden zwei "Weißen Mäuse" 1990 als Volkspolizist in Oranienburg paradiert, zwei Jahre später zeigt er sich dort in neuer Uniform als Verkehrspolizist und 2005 etwas fülliger geworden in Falkensee.
Simone Leischner (33) dagegen, allein erziehende Mutter, die in der zur AGRA GmbH umgewandelten ehemaligen LPG "Völkerfreundschaft" in Schmachtenhagen als Besamungstechnikerin beschäftigt ist, findet : "Das ganze soziale System ist zum Kotzen". Noch frustrierter sind einige Arbeitslose, die strikt ein drittes Interview ablehnen, zu sehen im Raum "Fragmente".
DHM Unter den Linden, tägl. 10-18 Uhr, Fotogalerie im Pei-Bau, bis 28. Februar, Kat. Böhlau-Verlag 19,90 Euro