Als Dritter im Bunde sowie Stifter des mit 25 000 Euro dotierten Preises ist das im Raum Brandenburg und Sachsen wirkende Energieunternehmen Vattenfall Europe Mining & Generation mit dabei. Es habe sich mit seinen Bestrebungen einer kulturbezogenen Politik, so betonte Akademiepräsident Prof. Dr. Ingo Zimmermann gestern zur Pressekonferenz in Dresden, dafür nachdrücklich empfehlen können, unterstütze tatkräftig das bewährte Bündnis beider Institutionen und ihre Idee als Partner aus der Wirtschaft.
Innovatives Bauen und nachhaltige Landschaftsgestaltung seien für das Unternehmen Vattenfall wichtige Themenfelder, betonte Vorstandsmitglied Dr. Hartmuth Zeiß. Der Braunkohlenbergbau biete die Chance, Neuland zu gestalten entsprechend der Bedürfnisse und Vorstellungen der in der Region Lebenden. "Wir orientieren uns dabei an der ökologischen Stabilität ebenso wie an einem multifunktionalen Nutzen."
Die alle zwei Jahre zu vergebende Würdigung trägt den Namen Gottfried Semper Architekturpreis, und über die erste Vergabe - sie erfolgt im festlichen Rahmen am 19. Oktober auf Schloss Wackerbarth nahe Dresden - ist gestern durch ein fünfköpfiges Kuratorium entschieden worden. Diesem gehörten 2007 SAK-Präsident Prof. Dr. Ingo Zimmermann, der Stiftungsdirektor der LaNU Bernd Dietmar Kammerschen, Vattenfall-Vorstandsmitglied Dr. Hartmuth Zeiß sowie als Leiter der Findungskommission Prof. Dr. Werner Durth und Prof. Carlo Weber, Sekretär der Klasse Baukunst der SAK an.
Jeder der Kuratoriumsmitglieder brachte nach eigenen sorgfältigen Erwägungen schließlich drei bis vier Vorschläge in die Entscheidung ein, und es war festgelegt, dass es ein in Deutschland wirkender Architekt sein soll. Zum Schluss blieben noch drei Kandidaten übrig, unter denen letztlich der Preisträger 2007 einhellig gewählt wurde. Der Name wurde leider noch nicht bekannt gegeben, und wird offenbar, falls die Überraschung tatsächlich glücken sollte, erst zum Übergabe-Termin auf Schloss Wackerbarth öffentlich werden.
Auf die Frage, ob sich der Architekturpreis ausschließlich auf Bauwerke in der Region Sachsen beziehe, kam die Antwort, dass es so sein könnte, aber das wäre nicht unbedingt bindend. Es müsste auch kein berühmter Name sein; wichtig sei allein die Art und das Durchsetzungsvermögen des Architekten oder der Architektin, zeitbewusst und zukunftsorientiert zu bauen. Einige wenige der ursprünglich Ausgewählten sind übrigens bei der Befragung der Nutzer ihrer Bauten wieder aussortiert worden. Und wenn wir alle mitentscheiden könnten, würden uns garantiert auch ein paar Namen einfallen, die einen solchen Preis nicht verdienten. Man nennt das "Green-Washing", wenn Umweltbewusstsein als Marketinginstrument leichtfertig benutzt wird, eben einfach "nicht drin ist, was drauf steht . . ."
Der Name des neuen Architekturpreises ist wahrlich verpflichtend. Gottfried Semper (1803-1879), so würdigt ihn Prof. Dr. Werner Durth, sei eine Schlüsselfigur der europäischen Architekturgeschichte, habe als genialer Entwerfer von Theatergebäuden, Museen, unterschiedlichster Bauten den Weg aus dem Historismus des 19. Jahrhunderts in die Moderne gebahnt, ein Werk hinterlassen, das Generationen von Architekten nachhaltig beeinflusst hat. Er sei maßgebend gewesen, auch in der Denkmalpflege.
Gefragt nach Einflüssen Sempers auf die Lausitz, erwähnte Werner Durth, dass dieser Hermann Fürst von Pückler-Muskau beraten habe sowie auf einige Wohnbauten der Region Einfluss nahm. Semper hatte Fürst Pückler beim Ausbau des Anwesen Branitz beraten, wohin dieser 1845/46 ausweichen musste. Nach Sempers Besuch im April 1847 zeichnete er in Briefen das Bild eines heruntergekommenen herrschaftlichen Gutes. Das 1722 entstandene, von einem Wassergraben umgebene Herrenhaus war baufällig, dem Eingang gegenüber befanden sich Viehställe, einfache Wirtschaftsgebäude, gar ein Misthaufen. Und der Garten war total verwildert.