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| 15:00 Uhr

Ausstellungsreihe eröffnet
Schloss Lieberose wird wieder ein Ort für Kunst

„Spaltenraum und Strahlenriss“ ist der Titel der Rauminstallation, die das Künstlerduo GODsDOGs (Britta und Ron Helbig) für die Ausstellung im Lieberoser Schloss entwickelt hat.
„Spaltenraum und Strahlenriss“ ist der Titel der Rauminstallation, die das Künstlerduo GODsDOGs (Britta und Ron Helbig) für die Ausstellung im Lieberoser Schloss entwickelt hat. FOTO: Ingrid Hoberg
Lieberose. Die Ausstellungsreihe Rohkunstbau im Lieberoser Schloss zeigt Bruchlinien der Gesellschaft. Zum 24. Mal wird das barocke Schloss zum Ort für Kunst. Von Ingrid Hoberg

Kate McMillan fühlt sich gleich beim ersten Besuch im Schloss Lieberose von der Atmosphäre des historischen Gebäudes inspiriert. „Dieser Ort hat einen besonderen Geist“, sagt die Britin, die lange in Australien lebte. Sie erkundete das Haus, entdeckte das Kellergewölbe, den Park und hat spontan die Idee für einen Film. Das war im April. Nun ist der Kurzfilm „Instruction for Another Future“ in der 24. Auflage der Ausstellungsreihe Rohkunstbau zu sehen.

In ihren „Anweisungen für eine andere Zukunft“ verknüpft sie den Ort mit dem Sinnbild für das gegenwärtige Europa, führt Geschichte und Gegenwart in poetischen, nachdenklich stimmenden Bildern zusammen. Kate McMillan wird am Samstag zur Ausstellungseröffnung vor Ort sein und hofft auf interessante Gespräche mit Besuchern. Für einen späteren Zeitpunkt ist eine Performance geplant, der Termin steht noch nicht fest.

McMillans Projekt gehört zu den Arbeiten von international tätigen Künstlern, die der britische Kurator Mark Gisbourne eingeladen hat. Zum zweiten Mal wird Rohkunstbau, das Ausstellungsprojekt, das 1994 in Groß Leuthen den Anfang nahm, im Schloss Lieberose zu sehen sein. Unter dem Motto „Achtung – Mind the Gap“, einer auf Bahnhöfen üblichen Warnung, werden schmerzhafte Lücken, Distanzen zwischen Menschen, gesellschaftlichen Gruppen, zwischen Ländern und Generationen nicht nur konstatiert, sondern als Anregung zum Gedankenaustausch entwickelt.

Arvid Boellert, Direktor Rohkunstbau, verweist darauf, dass die Risse sichtbar gemacht werden sollen, die durch die Gesellschaft, durch Europa gehen.

Dass an diesem Thema kreativ, vielschichtig und auch humorvoll gearbeitet werden kann, zeigt sich bei einem Rundgang durch die Ausstellung, die auf mehreren Ebenen zu sehen ist.

In diesem Jahr ist zu bemerken, dass sich die Künstler, unter ihnen ein Duo, mit der Region auseinandergesetzt haben, in der sie ihre Arbeiten präsentieren. So zeigen Britta und Ron Helbig, das seit 2010 bestehende Künstlerduo GODsDOGs, eine Rauminstallation mit dem Titel „Spaltenraum und Strahlenriss“, in die Bilder von Kindern in Brandenburger Landschaften eingefügt sind. Per Pseudosolarisation wirken die Aufnahmen wie verfremdete Bilder aus einer Märchenwelt.

Britta Lara Helbig, selbst als Kuratorin tätig, ist schon gespannt auf die Gespräche am Samstag mit Ausstellungsbesuchern. „Man kann eine sinnliche Vorstellung haben, wenn man gar nichts weiß“, sagt sie. Doch im Austausch könne es weitergehende Erkenntnisse geben.

Wenn auch keinen Riss, so doch unterschiedliche Auffassungen über die Realisierung von Gestaltungsideen hat es beim Projekt der tschechischen Künstlerin Magdalena Jetelová gegeben, wie die Rohkunstbau-Veranstalter informieren. 15 Tonnen Salz sollten im Bacchus-Saal unter der historischen Stuckdecke verteilt werden und den Eindruck einer Salzwüste vermitteln, wie Kurator Gisbourne erklärt.

Doch da versagte die Brandenburgische Schlösser GmbH als Eigentümer des Hauses die Zustimmung. „Zum Schutz des Gebäudes müssen wir Auflagen machen. Das war schon im vergangenen Jahr so“, sagt Jürgen Klemisch, Prokurist der Gesellschaft. Und an diese Vorgaben habe sich Rohkunstbau bisher immer gehalten. Dazu gehören Fragen der Statik wie auch der Schutz der Wände. „Muss es Salz sein? Das ist das Gefährlichste für das Gebäude über den vorgesehenen Zeitraum“, sagt Klemisch. „Mit dieser Entscheidung müssen wir leben“, sagt Inka Thunecke, Geschäftsführerin der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg, auch wenn sie sich eine andere Lösung gewünscht hätte. Nun zeigt die Künstlerin gelaserte Landschaften in Leuchtkästen.
Die Ausstellung im Schloss Lieberose, Schlosshof 3 ist vom 30. Juni bis 9. September samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Förderverein Lieberose ermöglicht mit seinen Mitgliedern diese Öffnungszeiten. Das Restaurant „Zur Darre“ ist von 10.30 bis 21.30 Uhr geöffnet.

Infos: www.rohkunstbau.de



Die besondere Atmosphäre des Barockschlosses hat Kate McMillan aufgegriffen und mit dem Sinnbild des gegenwärtigen Europa auf poetische Weise verknüpft.
Die besondere Atmosphäre des Barockschlosses hat Kate McMillan aufgegriffen und mit dem Sinnbild des gegenwärtigen Europa auf poetische Weise verknüpft. FOTO: Ingrid Hoberg