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Der aktuelle Kinotipp
Woody Allen bringt Kate Winslet zur Verzweiflung

Kate Winslet und Justin Timberlake als ungleiches Paar in einer Szene von „Wonder Wheel“.
Kate Winslet und Justin Timberlake als ungleiches Paar in einer Szene von „Wonder Wheel“. FOTO: - / dpa
Los Angeles. Ein Riesenrad ist die bunte Kulisse für „Wonder Wheel“.

Auf den ersten Blick ist es eine kunterbunte, ausgelassene 50er-Jahre-Welt, mit rosa Zuckerwatte, wirbelnden Karussellen und einem leuchtenden Riesenrad: In seinem 48. Regiewerk entführt der New Yorker Altmeister Woody Allen (82) in den Vergnügungspark Coney Island, auf einer Halbinsel im Süden von Brooklyn, ans idyllische Atlantikufer.

Dort hat der Rettungsschwimmer und Literaturstudent Mickey (Justin Timberlake) ein Auge auf die Strandgänger, doch eigentlich träumt er davon, als Dramaturg berühmt zu werden. Dass „Wonder Wheel“ allerdings keine vergnügliche Romanze ist, macht Kate Winslet als verhärmte Imbissstuben-Kellnerin Ginny den Zuschauern sofort klar.

Die Rolle ist eine Tour de Force für die Oscar-Preisträgerin („Der Vorleser“), von Migräne gepeinigt und von ihrem zweiten Ehemann Humpty (Jim Belushi), einem rüpelhaften Karussellbetreiber, völlig genervt. Müde pendelt die fast 40-Jährige zwischen Herd, Job und Therapiesitzungen für ihren missratenen Sohn aus erster Ehe, der als Brandstifter Ärger macht. Als Geliebte des viel jüngeren Bademeisters lebt Ginny auf. Eine Paraderolle für Winslet, die alle Gefühlsregister von Leidenschaft, Hoffnung, Schuldgefühlen und Verzweiflung zieht.

„Wonder Wheel“ mag es an fesselnden Dialogen und beißendem Witz fehlen, umso üppiger sind die leuchtenden Farben und poetischen Bilder von Kameramann Vittorio Storaro. Der mit drei Oscars prämierte italienische Altmeister  hatte für Allen auch schon „Café Society“ gedreht.

Wonder Wheel, USA 2017, 101 Min., FSK o.A., von Woody Allen, mit   Kate Winslet, Juno Temple, Justin Timberlake, Jim Belushi

(dpa)