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"Wo sind die Wutfänger, wo sind die ohne Angst?"

Cottbus. Zum Silly-Konzert ist die Cottbuser Stadthalle am Mittwochabend fast ausverkauft gewesen. Zu dem dritten Album "Wutfänger", für das Anna Loos alle Texte selbst geschrieben hat, gab es im Vorfeld auch kritische Stimmen. Die Lausitzer waren auf jeden Fall von dem Konzert begeistert, zum Schluss hielt es kaum noch jemanden auf seinem Platz. Angelika Brinkop

In der ersten Reihe vor der Bühne hatte sich der Silly-Fanclub die Plätze gesichert. Anders als andere DDR-Rockgruppen hat Silly nie nur auf Ostalgie gesetzt, sondern sich auch im Westen etabliert. Und so kommen die Silly-Anhänger aus allen Teilen Deutschlands und aus verschiedenen Altersgruppen. Sarah Müller aus Frankfurt am Main besuchte in Cottbus schon das vierte Konzert der Wutfänger-Tour. "Es sind zwar immer dieselben Lieder, aber die Show ist immer wieder neu", sagt sie. Das neue Album findet die 20-Jährige spektakulärer und rockiger als die Vorgänger. Auch Simone Tennigkeit (43) aus Aschaffenburg findet Annas Texte sehr schön. "Es sind Themen, die die Band bewegen, und sie werden sehr gut herübergebracht. Silly ist auf der Bühne einfach eine Wucht", findet sie.

Christin Lemke (40) aus Drewitz (Spree-Neiße) ist seit der Gründung des Fanclubs Mitglied. Ihr gefällt an der Band, dass sie den Mund aufmacht und sagt, was sie denkt. Das "Knopf-an-Knopf"-Album war ihr zu weichgespült. Jetzt sei Silly wieder wie früher: gesellschaftskritisch und ein bisschen lauter. Und so nimmt Silly die Zuhörer mit auf eine musikalische Reise, zu der noch immer die "Verlorenen Kinder", "Bataillon d'Amour" oder "Mont Klamott" gehören. Doch die Band setzt sich auch mit aktuellen Themen kritisch auseinander, so wie man es von Silly erwartet. In "Wutfänger" singt Anna Loos von einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, von denen, die vor dem Leben davonlaufen und fragt "Wo sind die Wutfänger, wo sind die ohne Angst?"

Die Zugabe macht Silly mit einem Titel, der den Zustand der Band, die sich nach dem Tod von Tamara Danz wieder aufgerappelt hat, gut beschreibt. "Wir sind vor zehn Jahren aus dem Dornröschenschlaf erwacht, und uns wird es auch die nächsten zehn Jahre noch geben" ruft Anna Loos und singt: "In mir drin ist alles rot. Das Gegenteil von tot . . . "

Bevor sich die Band verabschiedet, fängt Anna Loos mit ihrem Handy noch die tolle Stimmung in der Cottbuser Stadthalle ein, macht ein Selfie von sich und den Fans und bedankt sich bei den Lausitzern für den schönen Abend. Ein Kompliment, das die Besucher gern zurückgeben.