In Falkenberg tanzen die Mäuse nicht auf dem Tisch. Sie tanzen in der Hauptstadt. Im Fernsehen oder im Stadttheater Luckenwalde. Auf der Grünen Woche oder zum 70. Geburtstag der RUNDSCHAU. In der Partnerstadt Warburg und natürlich vor allem in ihrer Heimatstadt Falkenberg (Elbe-Elster). Eben überall, wo es märchenhaft oder fröhlich zugeht.

In Schwung gebracht werden die Falkenberger Tanzmäuse vor allem von Erika Weger und San dra Schrey. Energisch schütteln die beiden Frauen den Kopf. "Das schaffen wir nicht allein!" Ausführlich beginnen sie davon zu reden, wie hoch motiviert die Tänzerinnen sind und wie viele ehrenamtliche Helfer es braucht: für die Lichttechnik, die Kulissen, die Kostüme, das Geschichtenerfinden . . . "Wir sind froh, dass viele Eltern und Großeltern mitziehen", sagt Sandra Schrey.

Und doch, was wären die Tanzmäuse ohne diese Frauen, die an der Vereinsspitze stehen? Beide haben inzwischen mehr als ihr halbes Leben den Tanzmäusen gewidmet. Vor 46 Jahren stand Erika Weger, von Haus aus Kindergärtnerin und Erzieherin, an der Wiege der Tanzmäuse, die damals noch Schulhofspatzen hießen. In Riesa hatte sie selbst einer Ballettgruppe angehört. Sie wusste also, wie ansteckend die Tanzleidenschaft sein konnte. So studierte sie, nachdem sie nach Falkenberg umgezogen war, an der II. Polytechnischen Oberschule mit einer zweiten Klasse einen Tanz zu einem Schulfest ein. Später stieg noch die Hortnerin Elfriede Koppenhöfer mit ein. Die Auftritte kamen so gut an, dass immer mehr Kinder die Lust am Tanzen für sich entdeckten. Mit zwölf Mädchen begann sie 1970 zu trainieren.

"Immer dienstags, vielleicht zweimal ist es ausgefallen in all den Jahren", erinnert sich die inzwischen 75-Jährige, die noch heute jeden Tag ein paar Stunden im "Mäusestübchen" arbeitet, das die Stadt dem Verein für Training, Kostüm- und Kulissenfundus zur Verfügung gestellt hat. Erika Weger ist Vizechefin im Verein. Den Vorsitz hat sie inzwischen an die 43-jährige Sandra Schrey abgegeben. Diese war in der dritten Klasse, als sie bei den Tanzmäusen begann. Und die gebürtige Uebigauerin blieb all die Jahre dabei, auch, als sie von der Elster in den Landkreis Teltow-Fläming zog. Sie absolvierte sogar eine Tanzleiterausbildung, um den Nachwuchs fachkundig trainieren zu können.

So kommt die Finanzbeamtin jede Woche mindestens einmal nach Falkenberg. 55 Kilometer hin und dann noch einmal 55 Kilometer zurück. Glücklicherweise unterstützt sie ihr Lebensgefährte, der inzwischen ihr Hobby teilt. Stefan Werner erfindet Geschichten für die Tanzmäuse. Gerade entsteht "Ein Funken Hoffnung". Ein Familienmusical, das für die Vorweihnachtszeit schon im Stadttheater Luckenwalde auf dem Programm steht. Weil es immer mehr Tänzerinnen werden, sind jetzt auch Nicole Bintig, Tina Sieksch, Judith Fusco derzeit aktiv im Trainerstab. Als ehemalige Tanzmäuse gelingt es ihnen, die Nachfolgenden gut ausgebildet an Sandra Schrey zu übergeben, denn sie wissen aus eigener Erfahrung, was eine Tanzmaus alles können muss. Ab dem Teeniealter trainieren sie dann bei ihr.

Was die Frauen antreibt? San dra Schreys Vater, Reinhold Zarnetzki, der sich in Falkenberg immer über ihren Besuch freut und sie zum Essen erwartet, meint: "Ohne die Mäuse wäre im Ort wohl der Hund begraben."

Seine Tochter genießt die ehrenamtliche Arbeit: "Es ist ein schönes Gefühl, an der Entwicklung der Mädchen mitzuwirken. Training und Auftritte stärken Teamfähigkeit und Selbstbewusstsein." Dabei geht es nicht nur ums Tanzen. Eine Mutter bedankte sich bei Erika Weger dafür, dass ihre Tochter durch die Tanzmäuse zu einer Leseratte wurde. In einem Schulanfangsmärchen wollte die Kleine unbedingt die Hauptrolle. Dafür musste sie den Text lesen können.

Sandra Schrey gefällt auch: "Bei den Tanzmäusen bleibt man jung." Was eben auch an Erika Weger zu erleben ist. Diese näht derzeit nicht nur Stoffbeutel aus DDR-Kittelschürzen, wegen der Nachhaltigkeit und um das Vereinskonto aufzupäppeln. Sie trainiert und tanzt auch noch mit den Oldies und denkt gar nicht ans Aufhören. "Dieser Verein ist mein drittes Kind."

So groß gewachsen aber wäre es kaum ohne die vielen Sponsoren und Unterstützer.

Insgesamt sind es 87 Tänzer und Schauspieler vorwiegend weiblicher Natur im Alter von drei bis 91. Kein Wunder, dass auch über einen neuen Namen nachgedacht wird. Denn die Falkenberger Tanzmäuse haben sich längst gemausert.

Die nächsten Vorstellungen im Haus des Gastes in Falkenberg: 3. September: Schulanfangsprogramm, 17. September Theaterball.