| 17:15 Uhr

Premiere
Mehr schmissig als bissig

Sekretärinnen (nicht ganz) unter sich: (vorn v.l.) Janneke Thomassen und Lisa Huk (stehend v.l.), Liudmila Lokaichuk, Gesine Forberger, Heiko Walter, Debra Stanley, Carola Fischer .
Sekretärinnen (nicht ganz) unter sich: (vorn v.l.) Janneke Thomassen und Lisa Huk (stehend v.l.), Liudmila Lokaichuk, Gesine Forberger, Heiko Walter, Debra Stanley, Carola Fischer . FOTO: Marlies Kross/ Theaterfotografin / Marlies Kross
Cottbus. Schon „Männer“ sorgten am Staatstheater Cottbus für Furore. Jetzt waren „Sekretärinnen“ am Zuge. Seit 1995 ist diese musikalische Revue von Franz Wittenbrink deutschlandweit Kult. Von Ida Kretzschmar

Kann man sich in seine Schreibmaschine verlieben? „Ach dein Rückstellentastenregulator-Abstandseinstellrad schnurrt so schön, wenn ich ganz sacht am Hebel drück“, klingt es aus dem Großraumbüro. Na und: „Eine kleine Sehnsucht braucht jeder zum glücklich sein.“

Eine verrückte Liedermischung ist das, die sich aus diesem Großraumbüro ergießt. Gesprochen wird kein Wort. Nach dem Motto: Was man nicht sagen kann, lässt sich singen.

Ein Zahlenlabyrinth umrahmt das sterile Großraumbüro. Von wegen steril. Drinnen ploppen die Emotionen. Sechs adrette Sekretärinnen bringen Licht und Farbe in das Zahlenkarussell. Zwischen Bürotratsch, Liebesgeflüster, Zusammenhalt und Zickenkrieg fliegen auch schon mal die Papierkörbe. Zumal ein Mann ins Spiel kommt, hinter dem sich sogar zwei Mannsbilder verbergen. Heiko Walte chan­giert zwischen Hausmeister und Chef, unwiderstehlich elegant und liebenswert-trottlich, wie er gerade gebraucht wird. Bei seinem „Se bastasse una canzone“ wird er in den Augen der Damen gar zum Latin Lover.

Wann hat man die Sängerinnen des Cottbuser Opernensembles je so ausgeflippt erlebt? Wehe, wenn sie losgelassen werden! Jede der Vorzimmerdamen ist eine Type für sich, was im Zusammenspiel unterschiedlicher Stimmen und Temperamente nicht nur zu einer Augenweide, sondern auch zur Ohrenweide wird. Liudmila Lokaichuk verwandelt sich in einen blonden Vamp in Minirock und Stilettos, die seufzt: „Ich bin zu geil für diese Welt.“ Mit roter Lockenmähne verkündet Gesine Forberger: „Ich habe Probleme mit der Identität.“ Carola Fischer, offenbar die Bürovorsteherin, beichtet mit viel Sinn fürs Komödiantische: „Ich bin nicht die fromme Helene. Aber ich könnte es sein.“ Debra Stanley klagt hingebungsvoll: „Fremder Mann . . .“ Janneke Thomassen und Lisa Huk lassen es als Gäste mit ihrer Musicalausbildung ordentlich rocken in dieser musikalischen Revue, für die Gundula Martin typgerechte Kostüme und die Großraumbürobühne entworfen hat, in der keine der Damen nur ans Tippen und Telefonieren denkt.

Wobei selbst daraus Töne entstehen wie aus dem rhythmischen Klappern der Löffel in der Mittagspause, die Frank Bernard am Flügel aufnimmt und virtuos in Musik verwandelt. Wie schon bei der Revue „Männer“ hat Thomas Weber-Schallauer so manch überraschenden Regieeinfall parat. Respekt vor allem, als mit „Respect“ die Bürorevolution ausbricht. So bissig hätte es den ganzen Abend weitergehen können. Schmissig ist er allemal. Großer Applaus und viele Vorhänge (offene Bürotüren) für diesen lustvollen Liederabend!

Die nächsten Vorstellungen sind bereits ausgebucht. Weitere Vorstellungen sind in Planung.

www.staatstheater-cottbus.de