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Wirbelstürme in der Lausitzer Kulturlandschaft

Das dkw. Kunstmuseum Cottbus soll zu einer der Säulen eines künftigen Landesmuseums Moderne Kunst werden.
Das dkw. Kunstmuseum Cottbus soll zu einer der Säulen eines künftigen Landesmuseums Moderne Kunst werden. FOTO: Frank Hilbert
Cottbus/Frankfurt (Oder). Die Zukunft des Cottbuser dkw. Kunstmuseums Dieselkraftwerk wurde in Frankfurt (Oder) vorgestellt. Ein Landesmuseum für Moderne Kunst soll durch Kooperation und Fusion mit dem Frankfurter Museum Junge Kunst (MJK) entstehen, hieß es am Mittwoch bei einer Pressekonferenz ohne Lausitzer Beteiligung. Ida Kretzschmar

Es ist nicht der günstigste Zeitpunkt, an dem der Frankfurter Beigeordnete Markus Derling (CDU) Gerüchte bestätigte, die auch durch Cottbus waberten. Brandenburgs Kulturministerin Sabine Kunst (parteilos) ist gerade im Urlaub, auch die Chefin des dkw-Kunstmuseums ist außer Landes. Selbst Markus Derling, ehemaliger Dezernent in der Cottbuser Stadtverwaltung, heute Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Umweltschutz und Kultur in Frankfurt (Oder), der das Konzept am Mittwoch vorstellte, nahm sich danach erst einmal ein paar freie Tage.

"Alleinstellungsmerkmal"

Allein Dr. Martin Roeder, Vorsitzender des Vorstandes der brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus, ist am Platze, um auf Nachfrage Rede und Antwort zu stehen: "Die Stiftung unterstützt den Gedanken einer Kooperation mit dem MJK ab Frühjahr 2016 und der späteren Fusion zu einem Landesmuseum. Damit vereinen wir in Brandenburg die größte Sammlung von DDR-Kunst in Deutschland, die wir der Bevölkerung und der Forschung zur Verfügung stellen können. Ein großartiges Alleinstellungsmerkmal", unterstreicht er: "So können wir unseren Fundus besser nutzen, gewinnen sogar internationale Strahlkraft."

Das Landesmuseum an zwei Standorten passe gut unter das Dach der Stiftung, könne aber auch irgendwann auf eigenen Füßen stehen, ist er überzeugt. Im Konzept, das auch viele Mütter und Väter aus Cottbus hat, gehe man davon aus, dass dafür jährlich etwa 290 000 Euro mehr an Geldern aus dem Brandenburger Kulturministerium fließen müssten.

Mag sein, dass Frankfurt diesen Rettungsanker für Kultur weitaus stärker braucht als Cottbus und damit auch hofft, eine Sorge weniger um eine freigewordene Stelle zu haben. Auch steuert das Museum für Junge Kunst nur etwa ein Drittel zum gemeinsamen Fundus bei.

Keine Befürchtungen

Dennoch gibt es bei Dr. Roeder keinerlei Befürchtungen, dass dieser Anker das dkw. Kunstmuseum in die Tiefe ziehen könnte. "Wir haben die Idee fachlich und wirtschaftlich durchleuchtet und halten die Zusammenarbeit für sehr wünschenswert", sagt er bestimmt.

Auch dkw-Chefin Ulrike Kremeier signalisiert aus südostasiatischer Ferne: "Ich sehe für alle Beteiligten Vorteile. Wir müssen unsere Energien und Stärken bündeln, gerade in einem Flächenland wie Brandenburg ist das noch notwendiger als andernorts. Einen Nachteil sehe ich in einer Fusion weder für das dkw. noch für das MJK. Wäre dem so, hätte ich niemals zugestimmt", beteuert sie. Wesentlich bei der Fusion sei, dass das Land ein klares Bekenntnis zur Bildenden Kunst, seinen Institutionen und deren Potenzialen ablegt. "Dieses kulturpolitische Signal kann ich nur als außerordentlich positiv werten", mailt sie.

Aus dem brandenburgischen Kulturministerium äußert sich Staatssekretär Martin Gorholt, einer der Ideengeber für das dezentrale Landesmuseum für Moderne Kunst, der allerdings in Frankfurt bei der Vorstellung der Idee auch abwesend war: "Ich begrüße es, dass hier aus Kulturinstitutionen heraus ein innovativer Vorschlag entwickelt wurde. Er stimmt in seiner Zielsetzung mit der kulturpolitischen Strategie des Landes überein, zum Beispiel darin, durch eine Zusammenführung von Kompetenzen gemeinsame stärkere Strukturen zu schaffen. Wir müssen viel mehr mit unseren Pfunden wuchern." Ein dezentrales Landesmuseum böte die Möglichkeit, moderne Kunst an verschiedenen Standorten unter einem gemeinsamen Dach zu präsentieren. Damit entstünde eine starke Basis für das fachliche und breitenwirksame Sammeln, Bewahren, Erforschen, Ausstellen und Vermitteln der umfangreichen und beeindruckenden Kunstsammlungen, deren epochaler Schwerpunkt auf Kunst aus der DDR liegt. Dabei sei auch die Einbeziehung der kunsthistorisch verwandten Sammlung auf Burg Beeskow gut vorstellbar. Ein noch stärkeres Engagement des Landes als bisher hält er grundsätzlich für vorstellbar, noch aber ist keine Entscheidung darüber getroffen, ob und wie viele Gelder für diese Idee aus Potsdam draufgelegt werden können.

Stiftung als Option

Denn gleichzeitig fegen weitere Wirbelstürme über die hiesige Kulturlandschaft. Im RUNDSCHAU-Gespräch bestätigt Gorholt auch: Das brandenburgische Kulturministerium hält im Zuge der Kreisgebietsreform eine Stiftung für die Orchester und Theater in Ostbrandenburg und der Lausitz für eine Option. In Cottbus sei so eine Stiftung, die ja auch das Kunstmuseum einschließe, schon ein Erfolgsmodell. Das Kulturministerium prüfe die Bildung einer Stiftung für die Uckermärkischen Bühnen Schwedt, das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder), das Staatstheater Cottbus und die Neue Bühne Senftenberg. Wobei die Kreise an der Theaterfinanzierung beteiligt werden sollen.

Bleibt die Frage: Wird es dazu rechtzeitig auch in der Lausitz eine offene und öffentliche Diskussion geben?

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