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"Wir werden ja sehen, ob jemand lacht"

Henry Hübchen spielt den ehemaligen Auslandsagenten Jochen Falk (r.).
Henry Hübchen spielt den ehemaligen Auslandsagenten Jochen Falk (r.). FOTO: dpa
Henry Hübchen (69) spielt in der Kinokomödie "Kundschafter für den Frieden" einen pensionierten Stasi-Agenten. Am Sonntag um 14 Uhr hat der Film Premiere im Cottbuser Weltspiegel. Hübchen und Kollegin Antje Traue sind zu Gast und stehen für Autogramme und Fragen zur Verfügung.

Herr Hübchen, Sie haben mal gesagt, dass Sie sich ein Filmprojekt auch schon mal schönreden mussten, um mitzumachen. Das dürfte diesmal kaum der Fall gewesen sein, oder?
Nein. Das habe ich mir nicht schöngeredet, aber einfach war's trotzdem nicht.

Was haben Sie gedacht, als Sie das Drehbuch lasen?
Schöner Plot.

Haben Sie auf so eine Geschichte gewartet?
Ich warte immer auf gute Drehbücher.

"Kundschafter des Friedens" hat vom Titel bis zur Musik offensichtliche Reminiszenzen an die DDR-Fernsehfilmreihe "Das Unsichtbare Visier", eine in den Siebzigern sehr erfolgreiche Stasi-Agentenserie. Als die nach der Wende im Spätprogramm des Fernsehens wiederholt wurde, gab es noch Proteste von alten Westberlinern wegen angeblicher Verharmlosung der Stasi.
Ich denke, diese alten Westberliner hatten wenig Kenntnis über den Auslandsgeheimdienst der DDR und verwechselten ihn mit dem Spitzelsystem der Staatssicherheit. Dazu kommt, dass es ein fiktiver Fernsehthriller ist und kein Beitrag zur Geschichtsaufarbeitung.

Haben Sie die Serie, mit Armin Mueller-Stahl als Agentenheld, in der DDR gesehen?
Nein. Ich habe damals sehr intensiv Theater gespielt, mich für Fellini-Filme interessiert und Westfernsehen gesehen.

Hat Sie die Thematik früher nicht interessiert oder wäre so eine Rolle als "Zonen-James-Bond" für Sie als junger Schauspieler auch reizvoll gewesen?
Wenn ich sie angeboten bekommen hätte, sicher.

Haben Sie sich vor den Dreharbeiten mit dem Thema DDR-Auslandsgeheimdienst HVA beschäftigt?
Nicht wirklich, schließlich handelt es sich um eine fiktive Geschichte. Wir haben ja keinen Dokumentarfilm über die Auslandsaufklärung der DDR gemacht. Wenn ich etwas zum Thema wissen wollte, habe ich den Regisseur gefragt, der sich intensiv mit dem Stoff befasst hat.

Einige Fachleute des Spionagegewerbes behaupten, in der praktischen Geheimdienstarbeit sind die Gemeinsamkeiten zwischen den Diensten ohnehin größer als die Unterschiede.
Das ist auch meine Meinung. Geheimdienste sind nun mal geheim, und ich habe null Ahnung, wie die arbeiten und funktionieren. Ich glaube, dass sie außerhalb der Gesetze agieren und dass es, je nach Interessenlage, immer um Machtausdehnung oder um Machterhalt geht. Solche Dienste werden offensichtlich gebraucht.

Man kannte sich wohl, insofern scheint die Filmhandlung - Sie als Ex-HVA-Mann und der BND-Agent, den sie aufspüren sollen, kennen sich aus Vorwendezeiten von der Spionagearbeit - nicht allzu weit hergeholt.
Trotzdem kann man unseren Film natürlich nicht so ernst nehmen. Ist halt 'ne Komödie. Wir werden ja sehen, ob jemand lacht.

Angesichts der tollen Schauspieler und vielen Gags dürfte das mit Sicherheit passieren. Erst recht, wenn man in der DDR groß geworden ist und auch die eine oder andere Reverenz an die dänischen Olsenbande-Filme sieht.
Der Film hat ja Elemente, die an mehrere Filme erinnern: An "Ocean's Eleven" genauso wie an "Die Olsenbande". Wenn diese Einbrecherbande was organisiert hatte, ging ja auch immer viel daneben.

Fänden Sie es eine lustige Vorstellung, wenn auch der, ich sage mal, Ex-HVAler-Stammtisch Hohenschönhausen geschlossen zu Ihrem Film ins Kino ginge und sich amüsiert?
Ich vermute eher, sie fänden sich nicht richtig dargestellt.

Weil die HVA-Leute sich immer für die Stasi-Elite hielten und in ihrem Job für internationale Spitze?
Weil sie zwischen Realität und Fiktion vielleicht nicht unterscheiden.

Sie werden bei der Vorführung des Films am Sonntag im Cottbuser Kino "Weltspiegel" zugegen sein. Das älteste Kino Brandenburgs wird nach seiner Insolvenz demnächst versteigert. Hatten Sie je an so was gedacht: ein eigenes Kino?
Nein. So zum Spaß eine Kinoimmobilie zu besitzen, ist mir zu anstrengend. Ich investiere lieber in meinen Beruf.

Mit Henry Hübchen

sprach Gunnar Leue