Es war eine launige Preisverleihung zwischen britischen Windhunden und Salto rückwärts, verbunden mit außergewöhnlichen künstlerischen und für den Normalbürger kaum nachvollziehbaren wissenschaftlichen Leistungen - umrahmt von musikalischen und tänzerischen Glanzpunkten.

Stefan Kulhawec heißt der Preisträger des Staatstheaters. Seit 2012 ist der aus Australien stammende Tänzer Mitglied des Ballettensembles. Er ist der mit dem Salto. Wie es dazu kam, erzählt sein Chef Dirk Neumann: Überpünktlich zum Bewerbungsgespräch gekommen, blieb Zeit, ein paar Tanz-Videos zu schauen, in denen ein Salto vorkam. Dirk Neumann fragte: Kannst du das auch? Kurz entschlossen entledigte sich Kulhawec seiner Schuhe und zeigte aus dem Stand, dass er kann. Nicht das Einzige, womit der junge Mann, der an der renommierten Australian Ballett School in Melbourne studiert hat, bis heute beeindruckt - tänzerisch und menschlich. Besonders emotional der Videogruß seiner Eltern.

Antje Mugler ist eine überaus begabte Mathematikerin. Nicht nur, dass sie ein 1,0-Abi hinlegte, ihre Dissertation trägt ein summa cum laude. Laudator, BTU-Präsident Prof. Jörg Steinbach, hob hervor, dass ihre Arbeit unter anderem nützlich sei, wenn es darum ginge, dem Transport von Schadstoffen im Grundwasser auf die Spur zu kommen. "Ihr Schwierigkeitsgrad entspricht dem, einen PC in ein Handy zu integrieren", zitierte er seinen Kollegen Prof. Vierhaus. Dabei hätte Antje Mugler beinahe der Mathematik abgeschworen. Als in einer der ersten Vorlesungen ein Professor den Nachweis führte, dass Null gleich Null ist, wähnte sie sich am falschen Ort. "Ich musste mich erst an diese Gedankenwelt gewöhnen, in der nichts gilt, solange es nicht bewiesen ist."

Der dritte Max-Grünebaum-Preis ging an Matthias Hermann Richter. Er hat seine Dissertation am Lehrstuhl Angewandte PhysikII /Sensorik angefertigt und ebenfalls ein summa cum laude dafür erhalten. Im weitesten Sinne, so Prof. Jürgen Reif, ginge es um jene Energie, die die Welt im Innersten zusammenhält, um Teilchen, die Bahnen verlassen und dabei Materialien verändern. Lassen wir es damit bewenden. In der Fachwelt jedenfalls hat er damit Furore gemacht und arbeitet zurzeit in den USA am California Institute of Technology.

Zwei Förderpreise waren noch zu vergeben. Für den nach einem der Stiftungsgründer, Karl Newman (Enkel Grünebaums), benannten Preis wurde sogar das große Latinum bemüht. Um Wortstämme, Afixe und Flexionen so vergnüglich ans Publikum zu bringen, muss man schon Theaterintendant sein. Martin Schüler leitete mit diesem Exkurs sein Hohelied auf Bo-Kyoung Kim ein. Sie ist Solo-Korrepetitorin, studiert am Klavier mit den Sängern ihre Partien ein, spielt in Konzerten solistisch oder im Orchester, übernimmt die musikalische Leitung von Proben, betreut das Einsingen der Chöre. . . Martin Schüler hebt die im südkoreanischen Soul geborene junge Frau als großartige Musikerin hervor, die zugleich Psychiater und guter Geist in einem sei.

Über den Ernst-Frank-Förderpreis, benannt nach dem Mitinhaber der Cottbuser Tuchfabrik und Schwiegersohn Grünebaums, freute sich Nicolai Förter. Ein Stipendium in Großbritannien kommt dem jungen Wissenschaftler im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen der BTU gerade recht. Momentan studiert er an der University of Leeds in England und wird, wie seine Laudatorin Prof. Christiane Hipp verrät, dort Wurzeln schlagen. Greyhounds - die eingangs erwähnten englischen Windhunde - sind sein Hobby und haben viel mit seiner großen Liebe zu Großbritannien zu tun.

Zum ersten Mal seit Gründung der Grünebaum-Stiftung war niemand von der Familie aus Großbritannien zur Preisverleihung gekommen. Terminschwierigkeiten. Im kommenden Jahr aber, versicherten die Urenkel des einstigen Cottbuser Tuchfabrikanten Max Grünebaum, werde wieder ein Vertreter der Familie dabei sein, übermittelte Prof. Claus Lambrecht, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, ihre Grüße. Zugleich erinnert er daran, was bürgerschaftliches Engagement bedeutet, und dass es auch im ganz Kleinen stattfinden kann.

Den Gedanken der Stiftung, Brücken zu bauen zwischen Großbritannien und Deutschland - zwei Nationen, die sich einst kriegerisch gegenüberstanden, griff der Journalist Peter Littgen, Vorsitzender der "König Edward VII British-German Foundation" auf, deren Ziel der Dialog zwischen beiden Ländern ist. Mit einer Ehe kurz vor der Scheidung verglich er das gegenwärtige Verhältnis, zerstritten über Europa. Deshalb sei es notwendiger denn je, in diese Beziehung zu investieren. Was könnte besser dazu geeignet sein, als das Interesse füreinander zu fördern, junge Menschen zusammenzubringen - ganz im Sinne Karl Newmans: "Die Vergangenheit achten, der Gegenwart Glanz verleihen, für die Zukunft schaffen."

Zum Thema:
Soziales Engagement für die eigenen Arbeiter und die Bürger der Stadt, sowie kulturelle Förderung - unter anderem des Theaters - dafür steht der Tuchfabrikant und Cottbuser Bürger Max Grünebaum (1851-1925). Der Namensgeber der Stiftung war Ehrenbürger von Cottbus und Kommerzienrat. Seine Nachfahren mussten, als Juden verfolgt von den Nazis, Deutschland verlassen. In Erinnerung an das Wirken von Max Grünebaum in Cottbus richteten die in England lebenden Enkel im Mai 1997 die Max-Grünebaum-Stiftung ein, mit der sie Brücken bauen wollen zwischen Cottbus und England.