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| 13:44 Uhr

Neu auf der Leinwand
Neuer Wim-Wenders-Spielfilm: „Grenzenlos“

Alicia Vikander als Danny Flinders in einer Szene von „Grenzenlos“.
Alicia Vikander als Danny Flinders in einer Szene von „Grenzenlos“. FOTO: dpa / -
Berlin. Nach seiner Papst-Doku schickt der Kult-Regisseur ein Liebesdrama ins Rennen um die Aufmerksamkeit der Kinobesucher.

Keine acht Wochen her ist der Start von Wim Wenders’ viel gelobter und kontrovers diskutierter Papst-Dokumentation. Nun bringt der renommierte deutsche Filmemacher ein romantischeres Werk in die Kinos. Ein Liebesdrama, in den Hauptrollen besetzt mit Alicia Vikander („Tulpenfieber“) und James McAvoy („Deadpool 2“). Nachdem Wenders in den zurückliegenden Jahren vor allem mit Dokumentationen auf sich aufmerksam machen konnte – sei es mit seinem Film über den Fotografen Sebastião Salgado oder der 3D-Doku über Pina Bausch – will er nun mit einem eher konventionell gestrickten, namensstark besetzten Spielfilm Erfolg haben: „Grenzenlos“ ist die Adaption eines Romans von J. M. Ledgard.

Eine knappe halbe Stunde ist der Film alt, da kommt es zum ersten leidenschaftlichen Kuss der Protagonisten: Danielle ist eine Biomathematikerin, die sich gern schlicht gekleidet und mit viel zu großem Brillenmodell im Labor ihren Forschungsobjekten widmet. Und sich bald auf eine Reise gen Meeresboden begeben soll. James ist als Spion im Dienste des britischen MI6, offiziell aber als Wasserbauingenieur unterwegs.

Kennen lernen sie sich in einem Hotel an der französischen Atlantikküste; und auf den ersten Kuss zwar folgt noch eine leidenschaftliche Nacht. Viel mehr aber an Zeit ist den frisch Verliebten nicht beschieden: Er muss nach Somalia, sie hinunter in die Tiefen des grönländischen Meeres. Als James zudem auch noch in die Fänge von Islamisten gerät und sich bald in einem metertiefen Verlies wiederfindet, ist klar, dass es für die beiden Hauptfiguren wohl bei der Erinnerung an ein paar romantische Tage bleiben wird.

Alicia Vikander wird 30 diesen Herbst. Ein Alter indes, das sich in keiner der vielen Szenen, die ihre Danielle in diesem Film hat, auch nur erahnen lässt: zu makellos, zu perfekt das Gesicht der in Göteborg geborenen, seit einigen Jahren international erfolgreichen Aktrice (2016 gab’s einen Oscar für ihre Leistung in „The Danish Girl“). In schönem Kontrast zu Vikanders Vollkommenheit steht das durchaus von mancher Falte durchzogene Antlitz ihres Mitspielers McAvoy (39).

Je länger der Film währt, je größer das von Agent James zu ertragende Leiden, umso mehr wächst McAvoy in seine Rolle hinein. Einen Gutteil seiner Dramatik zieht der neue Wenders-Film daraus, dass die gemeinsame Leinwandzeit der zwei Liebenden derart beschränkt ist. Es ist eine Liebe, die sich vor allem in der Rückschau manifestiert. In der Erinnerung an wenige intensive Stunden an einer sonnigen, von Wenders wunderbar fotografierten normannischen Küste.

Im Rückblick auf Wenders’ Frühwerk, mit so experimentellen Filmen wie der Handke-Adaption „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“, dem Schwarz-Weiß-Roadmovie „Alice in den Städten“, muss ein klassisch angelegtes Liebesdrama wie „Grenzenlos“ konventionell anmuten. „Submergence“ (so der Original-Titel) aber hält Überraschungen parat.

So hat etwa die unlängst lancierte Franziskus-Hommage des gebürtigen Düsseldorfers zunächst nichts gemein mit der thrillerartigen Romanze. Wendet man sich aber der Bildebene zu, gibt es Momente, die zurückdenken lassen an die spezielle Art, in der Wenders den Papst filmt: Wenders lässt seine Hauptdarsteller in mindestens je einer Szene direkt in die Kamera blicken. Auch dies sind Momente großer Eindringlichkeit.

Zudem ist auch in „Grenzenlos“ spürbar, dass es Wenders nie nur um Unterhaltung geht. Dass ihn der Zustand der Welt umtreibt. Hier rückt Wenders leitmotivisch die Bedeutung des Wassers für den Menschen in den Mittelpunkt. Und sei es in kaum auffälligen Miniaturen: Buben, die an der ostafrikanischen Küste einen großen, einen zappelnden Fisch aus dem Meer holen.

Grenzenlos, USA/Deutschland/Spanien/Frankreich 2017, 112 Min., FSK ab 12, von Wim Wenders, mit Alicia Vikander, James McAvoy, Alexander Siddig

(dpa)