In dem Haus am Dom sind auf 550 Quadratmetern zahlreiche Gemälde, Zeichnungen und Grafiken aus 60 Jahren Schaffenszeit des umstrittenen Künstlers und früheren DDR-Kulturfunktionärs zu sehen. Viele repräsentieren einen Malstil Sittes, der der Öffentlichkeit bislang verborgen blieb.
Die Galerie wurde am Abend nach einem Festakt in Anwesenheit des Künstlers und prominenter Gäste wie Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eröffnet.
Die Galerie wurde innerhalb von rund zwei Jahren durch die Sanierung der Domkurie und die Integration eines Neubaus für 2,6 Millionen Euro geschaffen. Das Haus wird von der Willi-Sitte-Stiftung betrieben. Die 150 gezeigten Werke stammen aus dem Privatbesitz des in Halle lebenden Künstlers, der als einer der bedeutendsten deutschen Maler der Gegenwart gilt. Sie entstanden in der Zeit von 1943 bis 2002. Das älteste Bild ist eine Bleistift-Kreidezeichnung auf getöntem Papier und trägt den Titel "Totenmaske meines Großvaters" (1943).
Die Motive der chronologisch angeordneten Schau bilden sowohl gesellschaftliche Veränderungen ab als auch biografische Erlebnisse und Selbstporträts. Auch die für Sitte typischen großflächigen Motive mit Akten und Arbeiterbildern wie den Chemiewerkern aus Leuna, den Brigadiers oder Berg- und Fabrikarbeitern fehlen nicht. Zur Ausstellung soll ein kunstpädagogisches Konzept erarbeitet werden.
In die Stiftung haben Sitte und seine Familie 250 Gemälde, mehr als 1000 Zeichnungen, Radierungen, Druckgrafiken und Skizzen eingebracht. Bilder von Sitte, der gemeinsam mit Begründern des Malstils Leipziger Schule wie Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer (1927-2004) und Werner Tübke (1929-2004) 1977 auf der "documenta 6" in Kassel im Westen bekannt wurde, sind bis heute in Galerien und bei Kunstsammlern in Westeuropa begehrt.
Sitte, 1921 in Kratzau (heute Tschechien) geboren, lebt seit 1947 in Halle. Seine Bilder galten zu DDR-Zeiten als Standardwerke realsozialistischer Kunst. (dpa/pb)