Weil ein Sommerregen auf Senftenberg niederprasselt, erhält der Berichterstatter beim Verlassen des Museumsschlosses einen Regenschirm als Leihgabe. Diese freundliche Fürsorglichkeit ist typisch für das Haus und gilt erst recht für die Pflege der Kunstsammlung Lausitz, die von Bernd Gork auch in seinem Ruhestand weiterhin als Kurator (Latein für: der Sorgetragende) betreut wird.

Dank seiner jahrzehntelangen beharrlichen Tätigkeit ist die Sammlung auf inzwischen weit mehr als 2500 Exponate gewachsen, auch in jüngsten Jahren kamen etliche Neuerwerbungen herein.

Der Bestand umfasst Malerei, Grafik und Plastik vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute. Die Sammlung beschränkt sich auf Künstler, die biografisch mit der Lausitz verbunden sind, zeigt jedoch weit mehr als bloß Heimatkultur. Sie spiegelt wichtige Entwicklungen der modernen Kunst in Europa, zeigt Facetten der DDR-Kunst, die in Berlin, Dresden oder Leipzig oft unterrepräsentiert sind, und hat auch einige Namen zu bieten, die auf dem internationalen Kunstmarkt hoch gehandelt werden: etwa Gerhard Richter, Georg Baselitz sowie den seit einigen Jahren zum Star einer jüngeren Maler-Generation avancierten Frank Nitsche.

Von Nitsche, der 1964 in Görlitz geboren wurde und nun in Dresden arbeitet, gibt es das großformatige Gemälde "MH IV" aus dem Jahr 1997 zu sehen. Es handelt sich bei dem wuchtigen Bild in Grau- und Erdtönen um eine Dauerleihgabe der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Niederlausitz. Es wird flankiert von einem "Bagger" des Altenauers Paul Böckelmann aus dem Jahr 1982. Beide Werke lassen die abgebildeten Gegenstände nur erahnen - hier geht es wohl vor allem um Experimente mit Farben, Kontrasten und Oberflächenstrukturen.

Eine schöne Gegenüberstellung verschiedener Ausdrucksformen aus den 80er- und 90er-Jahren findet sich in einem kleinen Grafikkabinett: "Vorstadt" und ein unbetiteltes Kopfüber-Porträt von Baselitz sowie "Verlorener Weg" von Maja Nagel und "Handwaschung" von E.R.N.A. stehen für subjektive, teils stürmisch emotionale Linienführungen. Auf der gegenüberliegenden Wand regiert dagegen beruhigte Akkuratesse. Auf "Gleichnis III" hat Gerenot Richter in einer feinverästelten, sepiagetönten Aquatinta-Radierung eine bizarre Landschaft festgehalten, in der sich unter anderem das Muskauer Schloss als Ruine erkennen lässt. Daneben hängen zwei Werke von Manfred Butzmann, der zurzeit auch im Cottbuser Kunstmuseum Dieselkraftwerk ausstellt. Hier in Senftenberg sind von ihm ein Rekordkohlebrikett als Stilleben und die nächtliche Landschaft "Ausgekohltes Land" zu sehen. Alle drei Bilder schaffen das Kunststück, in dunklen Farben und sogar Schwärze zu leuchten.

Andere Künstler wie Klaus Zylla, Dieter Zimmermann oder Strawalde operieren mit den scheinbar kindlich-naiven Mitteln der Art Brut. Die beiden Grafiken Gerhard Richters aus dem Sammlungsbestand werden nun präsentiert, sie wurden schon im Februar zum 80. Geburtstag des Künstlers ausführlich in der Rundschau vorgestellt. Auch Skulpturen wie Kerstin Beckers markanter Betonguß "Porträt A" seien noch erwähnt. Diese Ausstellung lohnt den Besuch.

"Von Baselitz bis Zylla. Malerei, Grafik und Plastik aus der Kunstsammlung Lausitz". Schloss und Festung Senftenberg. Bis 26. August, geöffnet Di-So 14-17 Uhr.