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Wieder fallen sieben vom Himmel

Mancher erträumt sich das. Der Cottbuser Schriftsteller Alexander Kröger (d. i. Dr. Helmut Routschek, Jahrgang 1934) hat es erreicht: Einen Verlag gefunden, der sich seines Gesamtwerkes annimmt. Der Projekte-Verlag Cornelius Halle veröffentlicht die bisherigen und folgenden Romane des einfallsreichen Autors, der seit Jahrzehnten die wissenschaftliche Fantastik pflegt. Der Kröger-Vertrieb, der bisher die Bücher an die Leser brachte, stellt damit seine Tätigkeit ein. Die Fans wissen den Ein-Frau-Verlag der Ehefrau Susanne Routschek zu würdigen. Von Klaus Wilke

Wissenschaftliche Fantastik - an diesem jedem verständlichen Begriff hält Alexander Kröger fest. Er will damit dokumentieren, dass sein Ansatz immer in wissenschaftlichen Erkenntnissen liegt, die er zu Künftigem weiterdenkt und -schreibt. Dass keiner weiß, was wirklich kommt, macht die Bücher zu Fantastik, aber eben zu einer, die Boden hat, Wissenschaft und Technik, worin sie wurzelt. Dieser Tage erschien nun "Sieben fielen vom Himmel". Diesem Buch werden demnächst "Das Kosmodrom im Krater Bond" und "Energie für Centaur" folgen und damit die sogenannte Centauren-Trilogie vollenden.

Top, weil die Messe ein Flop war Die drei Romane, erstmals 1969, 1981 und 1983 erschienen, verdienen es, wieder gelesen zu werden und auch ein neues Publikum zu gewinnen. Das ist ein spannendes Weltraumabenteuer, das aber Erde, Menschen und den heutigen Tag im Blick behält. Solch eine Literatur behagt den Machern im Projekte-Verlag Cornelius Halle. Die Zusammenarbeit zwischen Autor und Verlag begann im April mit einer Begegnung auf der Buchmesse im österreichischen Linz.

War die Messe wegen unprofessioneller Organisatoren und Geldmangels ein totaler Flop, wurde sie für Kröger zum Top. Wilko Müller, in dem Hallenser Verlag Marketing-Verantwortlicher, Lektor und Betreuer der Science-Fiction, kennt Kröger seit Langem und schätzt an seiner wie an der wissenschaftlichen Fantastik, Marke Ost, überhaupt das ganz eigene Flair.

Spannend und menschenwürdig"Wir sind mit dieser Literatur aufgewachsen", bekennt er sich zur Region seiner Geburt, "haben eine Beziehung zu ihr. Mancherorts nennt man hausbacken, was in Wahrheit Verantwortlichkeit heißen müsste. Sie ist spannend, aber nicht menschenverachtend, beförderte Wissen. Daran ist zu erinnern." Wilko Müller weiß, wovon er spricht, steht er doch selbst mit acht Titeln (zuletzt Lyrik "Finsternisse und Sonnen" und der Fantasy Roman "Jenseits der Dimensionen") im Verlagsprogramm. Dort findet man auch Neuauflagen von Karl-Heinz Tuschel (1928 - 2005) sowie Texte aus dessen Nachlass.

Keinesfalls wolle der Verlag DDR-Nostalgie pflegen. Eher ginge es darum, Menschen Lesestoffe ihrer Kindheit und Jugend wieder zugänglich zu machen und heutigen Kindern und Jugendlichen spannende und menschenwürdige Lektüre zu vermitteln.

Das geht mit Krögers Trilogie. Sie erzählt die Odyssee einer außerirdischen Raumschiffexpedition, die im Weltraum verunglückt ist und von der sieben Überlebende auf der Erde notlanden. Es sind Abgesandte einer Zivilisation, deren Planet in Gefahr ist. Der Umgang zwischen unterschiedlichen Kulturen und ihr solidarisches Miteinander, aber auch Vorurteile und Ablehnungen werden angesprochen. Es ist eine Weltraumgeschichte, die aus Menschensicht die Nöte einer Zivilisation betrachtet, der die Existenzgrundlage schwindet. Von fern im Raum kommend, wollen die Aliens den Mars besiedeln. Die Menschheit benötigt den Mars aber selbst. Die Fremden kommen trotzdem. Auseinandersetzungen stehen an. Sie enden in dem vernünftigen Entschluss, den Mars gemeinsam urbar zu machen.

Außerdem wollen Menschen helfen, eine riesige Energieerzeugungsanlage auf dem fremden Planeten zu errichten. Aber die Menschen sind dort nicht willkommen, und es kommt zu Feindseligkeiten.

Die Bücher muten beim abermaligen Lesen wie eine Parabel auf Menschengeschichtliches, auf Gegenwärtiges und drohende Entwicklungen auf unserem Planeten in der Zukunft an.

Nach Erscheinen der Trilogie will der Verlag, der auch den Verkauf von noch vorhandenen Exemplaren aus dem Kröger-Vertrieb übernimmt, alle weiteren früheren Titel neu auflegen. "Expedition Mikro", "Antarktis 2020" und der Erzählband "Mücke Julia" haben Krögers Schreibtisch schon verlassen. Um vor allem seine jungen Leser nicht in Konflikte zu stürzen, hat der Autor alle Manuskripte den neuen Rechtschreibregeln angepasst. Anpassungsprobleme brachte auch die neue Software mit sich. Alle Umlaute und ß mussten "von Hand" umgestellt werden. Eine Sisyphosarbeit, die wenigstens ein interessantes Beobachtungsergebnis brachte: Von den Umlauten kommt im Deutschen das ü am meisten vor.

Es folgen das ä und erst dann das ö. In der Häufigkeit ordnet sich das ß zwischen ä und ö ein.

Wenn der Boden zu heiß wirdZum Anfang des Jahr 2009 können sich SF-Fans (oder besser wF-Fans?) auf einen neuen Roman freuen, dessen Arbeitstitel "Nimmerwiederkehr" heißt. Den endgültigen Titel werden wir Ihnen zu gegebener Zeit mitteilen. So viel zum Inhalt: Wieder geht es um eine Situation, in der einer Menschengruppe der Boden auf der Erde zu heiß geworden ist, so dass sie den Planeten verlassen will und muss. www.alexander-kroeger.de www.projekte-verlag.de

Alexander Kröger: Sieben fielen vom Himmel. Projekte-Verlag Cornelius Halle. ISBN 978-3-86634-601-7. Broschur. 290 Seiten. 14,80 Euro.