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Wie nach innen und außen gespiegelt

Rundgang mit Kurator Mark Gisbourne (l.) und Direktor Arvid Boellert durch die Rohkunstbau-Ausstellung, die am Samstag im Schloss Lieberose eröffnet wird: In der Bibliothek stehen zwei Krieger auf ihren Rössern, die der Japaner Toshihiko Mitsuya aus Aluminiumfolie gestaltete. Mit diesem Material arbeitet er seit seiner Kindheit.
Rundgang mit Kurator Mark Gisbourne (l.) und Direktor Arvid Boellert durch die Rohkunstbau-Ausstellung, die am Samstag im Schloss Lieberose eröffnet wird: In der Bibliothek stehen zwei Krieger auf ihren Rössern, die der Japaner Toshihiko Mitsuya aus Aluminiumfolie gestaltete. Mit diesem Material arbeitet er seit seiner Kindheit. FOTO: Ingrid Hoberg
Lieberose. Rohkunstbau kehrt in den Spreewald zurück und gibt im barocken Lieberoser Schloss zeitgenössischen Künstlern Gestaltungsraum. Ingrid Hoberg

Wann gab es die letzte große Kaffee-Tafel im Schloss Lieberose im Saal der Diana? Diese Frage können vielleicht die Heimatforscher des Fördervereins Lieberose beantworten. Wann es die nächste Tafel mit Kuchen und Torte auf einer monumentalen Marmorplatte geben wird, beantwortet Amélie Grözinger. "Zur Vernissage!", sagt die in Berlin lebende Künstlerin. Sie gehört zu den elf internationalen Teilnehmern der XXIII. Rohkunstbau-Ausstellung, die gerade noch ihren letzten Schliff erhält. So wird im Diana-Saal nach der Vorbesichtigung noch einmal der Fußboden geputzt, der mit Spiegelfolie ausgelegt ist und zur Eröffnung blitzen soll. Im lichtdurchfluteten Saal entwickelt sich dann eine Stimmung wie beim Blick über eine flirrende Wasserfläche, der Betrachter meint zu schweben. Amélie Grözinger hat sich für ihre Arbeit einen der beeindruckendsten Räume im Schloss ausgewählt und das Thema "Die Schönheit im Anderen -The Beauty of Difference" auf subtile Art umgesetzt.

Wer mehr über die Installation "Mirror Room" erfahren möchte, trifft die Künstlerin zur Vernissage an der Kaffee-Tafel. Der Schotte Andrew Gilbert ist ebenso gespannt auf Gespräche mit Besuchern. Er beschäftigt sich mit Kolonialgeschichte und stellt seine Zeichnungen und Mixed-Media-Skulpturen als fiktive Figuren in einen sarkastischen Kontext. Dabei ist durchaus Selbstironie im Spiel, wenn eine Skulptur den Titel "Andrew the Zulu Queen" trägt.

Allein diese beiden künstlerischen Arbeiten zeigen, dass sich der Betrachter auf verschiedene Sichtweisen einlassen muss - mit Zeit zur eigenen gedanklichen Auseinandersetzung. Das ist für Besucher der Rohkunstbau-Ausstellung, die es 1994 zum ersten Mal im Wasserschloss Groß Leuthen gab, nichts Neues. Nun kehrt Rohkunstbau in den Landkreis Dahme-Spreewald zurück und wird somit Teil des in diesem Jahr begründeten Kunstraums Spreewald. Rohkunstbau-Direktor Arvid Boellert verweist auf das spürbare Willkommen.

Mark Gisbourne, 2003 noch Besucher, arbeitet seit 2004 als Kurator für Rohkunstbau und hat diese Aufgabe auch für die XXIII. Auflage übernommen. Er lebt in Berlin, agiert international als Kurator und ist als Autor tätig. Seit 2010 ist die Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg Träger des Projekts, das auch die Wiederentdeckung und Neubelebung von Kulturstätten im ländlichen Brandenburg unterstützt.

Erstmalig präsentiert Rohkunstbau in diesem Jahr einen Markt für angewandte Kunst am Eingang zur Ausstellung. Das Spektrum umfasst Glas, Keramik, Holz, Metall, Schmuck und Textil. Es verbinden sich Gestaltung und Handwerk - umgesetzt als Unikate oder in Kleinserie, so die Veranstalter.

Zum Thema:
"The Beauty of Difference": Arbeiten von elf internationalen Künstlern werden vom 1. Juli bis 10. September im Schloss Lieberose gezeigt. Zur Eröffnung kann am Samstag ab 12 Uhr ein Kunstmarkt besucht werden. Der Musiker und Komponist Nabil Arbaain wird auf der Oud, einer arabischen Laute, spielen, begleitet von Flöte und Perkussion. Um 15.30 Uhr findet die offizielle Begrüßung durch Kulturministerin Martina Münch (SPD) und die Veranstalter statt. Geöffnet ist die Ausstellung dann samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr. Auch Schlossführungen durch den Förderverein Lieberose finden wie geplant statt. Nächster Termin: Sonntag, 9. Juli, 14 Uhr.Weitere Informationen unter: www.lieberose-niederlausitz.de www.rohkunstbau.de