In den rund 80 Arbeiten wird ein Kunstfeld bestellt zwischen leichtfüßigen Schutzengeln und gedankenreichem Altar. Die zum Verkauf präsentierten Kunststücke kosten zwischen 50 und 500 Euro und werden über das Cottbuser Kulturamt vermittelt. Wer es satt hat, immer nur Goldkettchen, Wollsocken, Rasierwasser oder "praktische" Antihaftpfannen unter den Christbaum zu legen, der ist hier richtig. Wer die konventionellen Geschenke bevorzugt, erst recht.
Im Zentrum der Ausstellung steht ein dreiteiliger Altar "Vier Engel für 24", Holz geschnitzt, bemalt, (182 x 144 cm) von Solveig Bolduan. Engel und Rabenvögel, Mensch und Tier, Mutter und Kind, Frauen allüberall, die Kraft des Weiblichen als wesentliches Prinzip des Daseins; und zwischen den Körpern winden sich grüne Zweige, zart, aber unübersehbar. Eine herausragende Arbeit, voller Bewegung und Ruhe zugleich, symbolträchtig, klug, ausbalanciert die erfahrene Natur. Unten lagern Krokodil und Schlange, farbige und friedliebende Tiere wie im Paradies, während in der Mitte des Altars SIE die Szene bestimmt. Es ist ein Selbstbild der Künstlerin, Sulamith mit goldenem Haar und offenen Händen. Der Altar als Gabe, als Angebot, sich zum Lebendigen zu bekennen und das andere nicht zu vergessen. Das Schnitzwerk, wuchtig, expressiv und den elementaren Gesten vertrauend, musste in diese Präsentation als ästhetisches Moment gegen das kleinplastische Engelswerk. Eine bezwingende Arbeit Solveig Bolduans, die auch damit ihre origin*am p*auml;re Kraft in der deutschen Bildhauerei der Gegenwart bezeugt.
Wer bei der Malerin und Keramkünstlerin E.R.N.A bloß bunte Weihnachtsengel erwartet, wird freilich enttäuscht. Dazu ist der Anspruch auch an kleine Objekte zu groß. Das sind Himmelsstürmer in braunem Ton, Schicksalsheilige, die ihre wild gestalteten Flügel rundum breiten. Zuweilen mischen sich ironische Zeichen in die Form, werden durch die Leuchtkraft der Farben wieder eingefangen und münden in skurrilen Verschränkungen in Blau, Gelb und Rot. Was E.R.N.A zeigt, geht natürlich weit übers Dekorative hinaus. Da tauchen in der Keramik Spiel, Leichtigkeit, Farbgespür, malerische Beherrschung des Zufälligen wieder auf, das die Künstlerin so gekonnt auch in ihren Bildern festhält. Auf Schalen und Tonplatten wie Figuren wird die stetige Absicht des Böckelmann'schen Werkes variiert: Die Schöpfung. Da sitzt der Engel in Orange und Blau wie Ikarus auf dem Wellenber g von Luft und Erde, oder es gießen sich der weibliche Mund, Lippen, Augen, Zunge, Tränen (der Freude?) wie ein Regen auf die weiße Schale. Mit diesen Arbeiten lässt sich trefflich träumen - aber auch wach sein!
Christina Kösters textile Objekte erinnern an das fernöstliche Tao der Stille. Seide und hauchdünne, farbige Baumwollflächen werden zu sanften Drachen, geometrischen Figuren in die Schwebe gebracht. Geschickte Faltungen, zurückhaltend mit komplementären Farben besetzt, gewinnen ihre Wirkung erst im Gegenlicht. Dort erscheinen die Stoffgebilde geradezu als Sinngeber für Gleichgewicht, für Ruhe und entspannte Raum-Zeit. Material und Fantasie der Künstlerin bedingen einander, ohne die eigenen Werte zu vermischen.
Ausstellung bis 5. Januar, täglich außer Sonn- und Feiertag 7 - 17 Uhr.
Kontakt: Telefon 0355/612 25 53