Wollte doch das Festival heuer das Spannungsverhältnis zwischen Naturklängen und urbaner Geräuschkulisse ausloten. Unter den etwa 30 Veranstaltungen mit zahlreichen Ur- und Erstaufführungen figurierten Konzerte mit prominenten Orchestern und Kammerensembles sowie vier Musiktheaterproduktionen und die Performance- und Konzertserie Sonic Arts Lounge, die Ensembleprojekte im Grenzgang zwischen Komposition und Improvisation vorstellte.
Ungewöhnlich schon der Auftakt mit der Klanginstallation „fichten“ des Grazers Klaus Lang, zur Aufführung gebracht vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (Rupert Huber), das in vier Formationen die auf der Bühne liegenden Besucher umgab. Nicht nur der schwebende Klangteppich, auch die Raumgestaltung (in die Höhe gespannte dünne Stahlseile) imaginierten einen stilisierten Wald.
Einen Höhepunkt des Festivals markierte das Programm des Berliner Konzerthausorchesters unter Johannes Kalitzke. Da spannte sich der Bogen von György Ligetis „Lontano“ über Beat Furrers Opus „Phaos“ und seine „Canti notturni“ bis hin zu der Uraufführung des Gesamtzyklus „Maim“ der Israelin Chaya Czernowin. Ihr Triptychon für großes Orchester, Solistenquintett mit Tubax als Hauptsolo und Elektronik (2001/07) assoziiert das Fließen von Wasser. Sind anfangs die Klänge noch elementar wie das „innere Wasser“ der Komponistin, so wird dieses zunehmend unter dem Einfluss der unheilvollen Ereignisse im Nahen Osten von „fremdem Wasser“ verdrängt. Zwingend, dass so die fließenden Klänge von einem katastrophalen Marschgestus aufgesogen werden, dass verschattete Klangschichten der Streicher das Geschehen letztlich bestimmen. Einen Kontrapunkt ganz eigener Art setzten die Berliner Philharmoniker mit Dmitri Schostakowitschs 10. Sinfonie.
Ehrensache für den Russen Semyoun Bychkov, den weiträumigen, tragisch-dramatischen Kopfsatz bis ins Detail überzeugend auszuleuchten. Tief beeindruckend das tänzerisch-spannungsgeladene Allegretto, dessen Hornrufe an Alphornsignale erinnern. Viel beachtet auch der Auftritt der Jungen Deutschen Philharmonie mit Eiji Oue am Pult. Da kontrastierte Aaron Coplands hierzulande kaum bekannte 3. Sinfonie mit dem neuen Cellokonzert „Reflections on Narcissus“ von Matthias Pintscher. Phänomenal, wie Truls Mork die flirrenden Flageoletts und Glissandi des Soloparts spielend bewältigte, sein Cello aber auch aufblühen ließ.
Spannend der Abend mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Jonathan Stockhammer, der die Uraufführung von Frank Michael Beyers Violakonzert „Notte di pasqua“ mit der europäischen Erstaufführung des Opus „Skyscape“ von Toshio Hosokawa konfrontierte. Ist Beyers Reflexion über die Osternacht trotz aller Violavirtuosität (exzellent Tabea Zimmermann) von tiefsinnigem Charakter erfüllt, so entfalten sich in Hosokawas Tonpoem himmelsstürmende Steigerungswellen - Ausdruck für buddhistisches Streben nach Einheit mit der Natur. Ein instruktiver Dialog unterschiedlicher Kulturen!