Die scheinen gar nicht genug bekommen zu können von der Tagesschau, so dass sie einen Großteil ihres Krimis für ein Nachrichtenformat mit gravierenden Ähnlichkeiten zur biederen ARD-Nachrichten-Sendung verschenken. Wer Nachrichten hätte sehen wollen, hätte zu "NTV" gezappt. Unnötig.

Dass politische Tatorte meist in die Hose gehen, sollten die Stuttgarter auch wissen -immerhin gibt es diese Sendung schon seit ein paar Jahren und Polit-Thriller haben am Sonntagabend nur sehr selten die Zuschauer begeistert. Das Gleiche gilt für Wirtschaftskriminalität, die in der Regel nur dann sehenswerter Tatort-Stoff ist, wenn die Österreicher ermitteln. Gut - damit hätten wir geklärt, dass der Stuttgarter Tatort am Sonntagabend mehr oder weniger überflüssig war. Schade eigentlich, immerhin waren die Darsteller durchweg gut. Kommissar Bootz war endlich mal nicht der alkoholkranke und in Selbstmitleid zerfließende gebrochene Ex-Ehemann und Vater, Lannert hat ziemlich cool seinen Uralt-Porsche durch die Gegend gefahren und die bösen Journalisten gelehrt, dass die Polizei pfiffiger ist als jeder Reporter, und ganz besonders sehenswert - wie immer - war Ulrich Gebauer als Zigarillos rauchender Rubert Heinerle, dessen Monologe einen ganzen Krimi-Abend hätten gewinnbringend füllen können. Die Eidechsen ohne Visum waren der Höhepunkt.

Schade also, dass man sich in Stuttgart so verbissen an Themen herantraut, die in einem Tatort nur wenig zu suchen haben - Stuttgart 21 ist ein solches Thema. Muss schiefgehen. Ging es auch, weil die Interpretation solcher gesellschaftlichen Konflikte immer entweder zu blass oder zu heftig herüberkommt und sich vermutlich jeder mit Stuttgart 21 in irgendeiner Form Verbundener ordentlich veräppelt gefühlt haben muss.

Da kann man nur hoffen, dass sich die Tatort-Macher vor der Sommerpause Anfang Juli noch einmal zusammenreißen und der Sendeplan ein paar Höhepunkte vorsieht - schließlich ist das Tatort-Jahr bislang ein durchaus passables, da wäre es doch schade, ginge der deutscheste aller Krimis nicht mit einem Knall in den wohlverdienten Urlaub. Obwohl - den letzten Tatort vor der Sommerpause bestreitet der Schweizer Kollege Reto Flückiger - oh oh - wir ahnen Schlimmes. Naja, immerhin kein Polit-Thriller.