Literarische Qualität verbindet sich mit großen Namen. Kinderbücher brauchen gute Qualität. Wie gut deshalb, dass sich namhafte Schriftsteller immer wieder selbst um ihren Lesernachwuchs kümmern und Bücher schreiben, die nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene verstehen. Lebensklugheit, eine schier unendliche Fantasie und ein Deutsch, das klar, originell und immer verständlich ist, sind die Zutaten.
Das trifft auf die Autoren vorangegangener Bände wie Strittmatter, Heiduczek, Sakowski und andere ebenso zu wie auf Peter Hacks (1928 - 2003). Der, ein Theatermann von internationaler Bedeutung, war sich nie zu schade, für Kinder zu schreiben, zu reimen, himmlisch zu fantasieren und zu fabulieren. Er hatte wohl genauso viel Spaß daran wie am Ausdenken von theaterwirksamen Situationen und am Schreiben von Dialogen. Das Komödiantische seiner Stücke und seiner Bearbeitungen von antiken und klassischen Bühnenwerken überträgt er auch auf seine Verse und seine Prosa.
„Himmel und Hölle“ heißt zum Beispiel eine Sammlung von sechs Tierfabeln. Der Teufel erzählt sie, versehen mit seiner „Nutzanwendung“ genannten Moral. Es ist der Teufel nämlich, weil er in seinem ursprünglichen „Beruf“ zu wenig Arbeit hatte, Schriftsteller geworden.
„Meta Morfoss“ in der gleichnamigen Erzählung ist ein Mädchen, das sich in andere Wesen und Gegenstände verwandeln kann und damit viele theatralisch wirkende Verwirrung stiftet. Einem Ochsenfrosch quellen die humorigen Verse nur so zwischen den Lippen hervor, weil ihm der Storch das Leben versprochen hat, wenn er gut unterhalten wird. Der Ochsenfrosch-Hacks zelebriert eine Ballade von dem musikalischen Nashorn, das Frieden zwischen seinem Volk und den Löwen stiftet. Ein Laubfrosch lässt in einem lustigen Gedicht seinen ganzen Frust darüber ab, dass die Unken ihn nicht zu ihrer Feier eingeladen haben. Zwischen Wichteln und Kranichen herrscht Krieg. Die Wichtel, die das Gute, das Wahre und das Schöne erfunden haben und sich von schwarzem Brot und von weißem Schnaps ernähren, sehen ihre Ernährungsgrundlage bedroht, weil sich die Kraniche jeden Mai in die Getreidefelder stürzen. Wie der Krieg beendet wird und welche Rolle der Wi chtelprinz dabei spielt, ist gar köstlich zu lesen.
Das Buch ist wie eine Spielzeugkiste im Kinderzimmer. Wie dort Puppen, Bälle, Kreisel, Autos, Bahnwagen, Bauklötzer durcheinander liegen, bietet „Kinderkurzweil“ Märchen, Geschichten, Gedichte, Lieder und Fabeln an, bunt gemischt. Und nirgends ist der Anspruch, dass das alles auf einmal gelesen wird. Vielleicht gehört, was da aufgezeichnet ist, zu den schönsten Gute-Nacht-Geschichten.
Zu Peter Hacks hat sich ein zweiter Kinderfreund gesellt: Klaus Ensikat (Jahrgang 1937). Seine zumeist ganzseitigen Illustrationen fügen dem Erzählten eine Dimension hinzu, führen aber durchaus auch ein Eigenleben, an dem wir uns erfreuen können. Ensikat hat für sich mit seinem Strich eine schöne Balladensprache gefunden.