Die Kuppel des Amphitheaters schwelgt in Farben, Licht und Tönen. Ohne grelles Licht und Rauch geht's auch. Aber wenn der Himmel voller Geigen hängt, muss es nicht sanft zugehen. Denn da stehen zwei Rockladies auf der Bühne in Leder und hautengen Jeans, die bringen ihre Geigen nicht in erster Linie zum Seufzen und Träumen. Gemeinsam mit ihrer Band aus dem Rhein-Neckar-Gebiet beschwören sie eine wahre Explosion herauf, lassen sie einen Sommersturm über den Senftenberger See fegen.

Die Violinistinnen Jooni Hwang und Ulrike Schnelle, beide mit klassischer Ausbildung, gehen mit reichlich Vorschusslorbeeren ans Werk. Als die weibliche Antwort auf David Garrett wurden sie angekündigt. Und wie er setzen sie ganz auf die Kraft der Instrumente. "Die Geigen übernehmen bei uns die Gesangsstimme", sagt Jooni Hwang, die durch den Abend führt und spürbar die erste Geige spielt.

Verblüffende Arrangements

Und schon befinden sich alle auf einer Reise durch die Rockgeschichte von den 60-er bis 90er-Jahren. Dazwischen Soundtracks aus Filmen, kaum wiederzuerkennen, aufgepeppt, mit verblüffenden Arrangements.

Diese Ladies lassen es richtig krachen. Da wird selbst der Winter aus Vivaldis "Vier Jahreszeiten" heiß. Und der Sommer erst mal, auf den alle so lange gewartet haben. Kein Wunder, dass es für diesen "Summerstorm" einen Preis gab. Hier wird Klassik gerockt. "Vivaldi war ja auch der Rockstar des 17. Jahrhunderts", begründet Jooni Hwang die Auswahl des populären Werkes.

Die in Deutschland aufgewachsene gebürtige Koreanerin bekommt am Ende den meisten Applaus für ihr furioses Spiel. "Einfach faszinierend, was mit einer Geige alles möglich ist", sagt Michael Warner, der begeistert aufgesprungen ist, den Tränen nahe. Der Senftenberger ist gemeinsam mit seiner Frau Marianne, Nichte Helena und Sohn Erwin hier. Der 10-Jährige lernt ja selbst Geige.

Aber auch wenn es eine Violinen-Show ist: Es sind nicht allein die Geigen. Wie es der Name der jungen Band "Sixtention" schon andeutet, sind es sechs Musiker, die hier mit ganzer Leidenschaft am Werk sind: die Frontfrauen Jooni Hwang und Ulrike Schnelle an der Violine mit Marc Hallbauer, der auch vorn eindrucksvoll an der Gitarre mitmischt, ihre kurzzeitige Verstimmung danach wundervoll überspielt. Niklas Esser steht am Bass, Christopher Hans am Keyboard. Alex Franken versucht bis zur Pause etwas zu übermütig, am Schlagzeug alle anderen zu übertönen. Zusammen sind sie ein preisgekröntes Team, das die Instrumente virtuos und mit Leidenschaft zu spielen weiß.

Und doch sind es immer wieder vor allem die temperamentvollen Geigen, die diesen Abend zu einer außergewöhnlichen Show werden lassen. Die beiden Musikerinnen wissen, wie sie die Zuschauer mitreißen können, haben sie doch auch schon Deep Purple, Chris de Burgh und José Carreras, ja sogar einen Zirkus auf Tourneen begleitet.

Und auch wenn die Temperaturen an diesem Abend im Amphitheater langsam sinken, eine Abkühlung ist nicht in Sicht. Hier wird eingeheizt mit frappierend arrangierter Musik zu Michael Jackson, über Opernheld Prinz Igor bis zur Filmlegende James Bond. Eigentlich fehlt nur noch Gogows überirdischer Geigenpart "Am Fenster", aber den gab es ja City sei Dank schon hier in diesem Sommer.

Gab es so noch nie hier

"Sixtention" aber ist an diesem Abend erstmals in der Lausitz. Und doch mangelt es keineswegs an Beifall und anerkennenden Pfiffen für die ungestüme Band. Im Gegenteil. Die Zuschauer stehen und klatschen, verzehren sich nach Zugaben. Was "Sixtention" zu bieten hat, gab es so noch nie im Amphitheater am Großkoschener Strand. Klar könnte es noch getoppt werden, wenn David Garrett eines Tages mitten unter diesen bemerkenswerten Geigerinnen auftaucht. Aber vorher sollte er bitteschön seine Frauengeschichten klären.

Zum Thema:
Am Mittwoch ab 19 Uhr laden die Bundespolizeiinspektion Forst und die neue Bühne Senftenberg zu einem Benefizkonzert in das Amphitheater ein. Präsentiert wird ein Strauß vieler bekannter Melodien, mit der Solistin: Undine Lux, die als "offizielles Helene Fischer Double" unterwegs ist. Seit nunmehr zehn Jahren hat Abba Fever das Erbe der legendären schwedischen Band angetreten. Mit aufwendigen Licht- und pyrotechnischen Effekten und originalgetreuen Outfits lassen die Musiker am Donnerstag ab 20 Uhr das Lebensgefühl der 70er-Jahre hautnah erleben. Am Samstag, 20 Uhr, und am Sonntag um 16 Uhr geht es mit Ladies Night noch einmal heiß her. Karten gibt's an der Theaterkasse der neuen Bühne (Tel. 03573 801-286) und an der Tageskasse.