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Wege durch eine verlassene Papierfabrik

Eberswalde. "Weiße Schatten. Wege durch die verlassene Papierfabrik Wolfswinkel", so der Titel von 22 künstlerischen Positionen auf zwei Wegen durch vier Hallen an sechse Wochenendtagen im Naturraum der Stadt Eberswalde. red/ik

Die Schau wird am 1. Juli eröffnet.

Kontraste und Extreme gehören zu Endmoräne, dem inzwischen weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus bekannten Künstlerinnen-Kollektiv, das im vergangenen Sommer in Cottbus präsent war. Konsequent geht der Verein zunehmend an und über seine Grenzen geht und stellt sich nun einer mächtigen Herausforderung: Sah man vor ein paar Jahren, wie die Frauen das 9000 Quadratmeter große, widerständige Gelände eines ehemaligen Militärflughafens durchdeklinierten, hält einen nun neben der künstlerischen Umsetzung abermals die logistische Machbarkeit in Atem.

Unweit von Berlin, in der so genannten "Waldstadt" Eberswalde, einem der ersten Industriestandorte Deutschlands an der Schwelle zum Maschinenalter, befindet sich ein stilles Zeugnis der einstigen gewerblichen Blüte dieser Gegend. Ein Vierteljahrhundert lang formierten sich am Finowkanal zunächst Manufakturen, später seit der Industrialisierung bis in die 1990er-Jahre zahlreiche Fabriken, vornehmlich aus dem Metall verarbeitenden Bereich. Darunter, gleich einer Prinzessin unter Rittern, die Papierfabrik Wolfswinkel, die wie viele volkseigene Betriebe nach der Wende privatisiert und kurz darauf geschlossen wurde.

Romantisch verschlafen und zugleich kühl morbide wirken die verlassenen Überbleibsel des frühindustriellen Denkmals, dessen steinerne Hallen mit Natur und Kanal eine entrückte Symbiose eingegangen sind, um im selben Augenblick beides zu konfrontieren.

Ebendieses Moment machen sich die Endmoräne Künstlerinnen zum komplexen Thema, um jene faszinierenden Kontraste, welche die verfallende Fabrik räumlich und geschichtlich bietet, bildnerisch zu erschließen und das hier einstmals produzierte reinweiße Papier im aktuellen Kontext zwischen Schutt und Schatten zu rekapitulieren. Die Widersprüchlichkeit anziehender Verödung wird installatorisch umgesetzt. Das Publikum wird beteiligt mittels eines Wegeleitsystems, auf dem man vorwärts durch das Gestern und zurück in die Zukunft gehen kann.

Eröffnung: 1. Juli, 15 Uhr, in der ehemaligen Papierfabrik Wolfswinkel in der Eberswalder Str. 27-31 in Eberswalde. Geöffnet bis 16. Juli, jeden Samstag und Sonntag, 13 bis 18 Uhr