So richtig wollte Brandts Polizeiruf in seinen ersten Folgen nicht funktionieren. Da war man sich unsicher, ob Ermittler Hanns von Meuffels nun ein netter, ein böser, ein runtergekommener oder vielleicht am Ende doch genialer Kriminalist sein sollte. Lag vielleicht auch an den mitunter grottenschlechten Drehbüchern, die eine Folge wie "Smoke on the Water" zur Witznummer gemacht haben - da hätte sich der geniale Brandt noch so anstrengen können.

Die Folge "Kreise" aber hat endlich mal Matthias Brandt die Möglichkeit gegeben zu zeigen, dass er zu den besten deutschen Schauspielern gehört und aus einem einfachen Dialog nahezu ohne Kulisse ein Erlebnis machen kann. Ganz unschuldig daran war auch nicht Justus von Dohnányi, der den Möbeldesigner Peter Brauer so wunderbar sympathisch spielt, dass von Anfang an klar ist: Irgendwas stimmt mit dem Typen nicht. Und dass sich beide in Sachen Humor ganz offensichtlich auf einer Wellenlänge bewegen, war in der Vernehmungsszene überdeutlich zu spüren. Ein Fest für den Zuschauer.

In der Tat hatte selbst das "Kreise"-Drehbuch die eine oder andere Länge, irgendwann im zweiten Drittel hätte man sich ein bisschen weniger Dialoge und ein bisschen mehr Tempo gewünscht. Allderings - und das war ein schöner Schachzug - haben die Polizeiruf-Macher nicht versucht, das mangelnde Tempo im Mittelteil durch ein überhastetes Ende wettzumachen. Nein, auch das Ende war langsam, gehörte voll und ganz Brandt und von Dohnányi und war vor allem deshalb spektakulär, weil es völlig unspektakulär war.

Da hofft man doch, dass Brandt nun endlich die Figur des von Meuffels gefunden hat und dass er an der leicht verschrobenen, ziemlich genialen und doch nicht ganz unnahbaren Gestalt festhält, die er in "Kreise" geschaffen hat. Der neue von Meuffels war sogar so gut, dass man ihm wünscht, dass seine Hamburger Kollegin doch nicht zurück in den Norden geht und weiter mitermitteln darf - ein wenig grobschlächtiger als von Meuffels, ein wenig klassischer, aber nicht minder beeindruckend. Kein Wunder - mit Barabara Auer hatten die Polizeiruf-Macher eine Darstellerin verpflichtet, die ebenso toll ist wie der Krimi war. Ein lautes "Chapeau" nach München.