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| 17:36 Uhr

Was bleibt, sind Freunde

Dieter Birr (l.) mit Freunden auf der Bühne.
Dieter Birr (l.) mit Freunden auf der Bühne. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Dieter Maschine Birr wird mit neuen und alten Songs in der Cottbuser Stadthalle gefeiert. Der einstige Frontmann der Puhdys hat mit über 70 Jahren noch unglaublich viel Power. Renate Marschall

Bloß gut, dass sich Dieter Maschine Birr nicht mit den anderen Puhdys in die Rockerrente verabschiedet hat. Der einstige Frontmann der Band hat mit über 70 noch so viel Power - unglaublich. Neu und zugleich vertraut präsentierte er sich am Mittwochabend in der Cottbuser Stadthalle. Solo, aber nicht allein. Jede Menge Freunde aus Rock und Pop trafen sich auf der Bühne - allesamt Könner. Einfach großartig Uwe Hassbecker von Silly - ein Künstler nicht nur auf der Gitarre, der zudem verrät, dass die Band an einer Live-CD arbeitet, vielleicht auch einer DVD. Außerdem soll es einen Kinofilm geben. Christian Liebig von Karat, die im April ein neues Album herausbringen, mit eigenen Akzenten am Bass. Felix Lehrmann, ein Wahnsinniger am Schlagzeug mit minutenlangem, atemberaubenden Solo, er spielt unter anderem in der Band von Sarah Connor. Marcus Gorstein von den Zöllnern am Keyboard und als gesangliche Unterstützung. Gitarrist Jörg Weißelberg, Ehemann von Jeanette Biedermann, Musikproduzent, der zum Beispiel bei der Castingshow "The Voice of Germany" (ProSieben-Sat.1) mitmischt. Dazu zwei Überraschungsgäste. Vom Feinsten!

Gut gemischt präsentierte Maschine Songs von seinen beiden letzten Solo-Alben. Das klang anders, aber auch ein bisschen vertraut nach Puhdys. Kein Wunder, in den Puhdys war ja ganz viel Birr drin. 47 Jahre lang, bei 4500 Konzerten. Seit 1969 war er deren Sänger, Gitarrist und Komponist, schrieb mehr als 250 Titel. Er hat den Neustart geschafft, mit "endlos vielen neuen Zielen" für sein neues Leben und "der ewigen Lust in seiner Brust".

Ganz still wird es im Saal, wenn Dieter Birr beschreibt, wie es ist "wenn der Krieg beginnt" mit dem ebenso klugen wie eindringlichen Text von Gisela Steineckert. ". . . du siehst den Krieg entstehn/sobald die Fahnen sich zum Wind hin drehen . . ." Scheinwerfer blenden auf, während akustisch Schüsse durch die Stadthalle jagen. Das macht Gänsehaut, auch weil man das Gefühl hat, manches von dem, was das Lied beschreibt, ist schon da.

"Du schweigst mich an wie ein Vulkan, der vor dem Ausbruch steht", stimmt Dieter Birr leisere Töne an, beschreibt mit den Worten von Heinz Rudolf Kunze den Schmerz, wenn es Krieg in der Beziehung gibt. Er sprach gewiss manchem im Saal aus der Seele "was ich nicht ertragen kann, ganz speziell als Mann, das ist deine Stille . . .". Ein bisschen melancholisch geht es im "Regen" weiter "als du kamst in mein Leben, war der Sommer längst vorbei". An diesem Abend kommt Julia Neigel in sein Leben und neben ihn auf die Bühne. Auch im Duett eine schöne Nummer - früher von Quaster, Dieter Hertrampf, gesungen. Und weil Uwe Hassbecker, wie er behauptet, immer beim Vorspiel pfeift, hat er es auch diesmal getan. Es ist und bleibt ein toller Puhdys-Titel und vermittelte sicher einigen im Publikum, bei denen sich der Sommer auch schon dem Herbst zuneigt, ein Gefühl von Frühling. Nicht so schlimm, wenn's der dritte ist. Aber alt wird man ja ohnehin nur, "wenn Träume sterben" - bei so viel Stimmung im Saal keine Gefahr.

Vorsichtshalber hätten er und Heinz Rudolf Kunze sich schon mal im Himmel umgesehen, erzählt Maschine. Der Einblick war ernüchternd: keine Engel, schreckliche Typen wie auf der Erde. "Wir sind gleich wieder abgereist." Na bloß gut. Auch wenn ein paar Helden seiner Generation schon da oben sitzen. Aber obwohl er schon so viel gesehen und so viel hinter sich gelassen hat, ist er immer noch auf der Suche nach sich selbst - an diesem Abend unterstützt von Ela Steinmetz von Elaiza. Ja, "was wussten wir denn schon?" Dieter Birr blickt 50 Jahre zurück. Auf die noch fremd klingenden ersten Songs der Stones, auf den Kalten Krieg und die Wende - den ganzen Wahnsinn, der sich lohnt. Auch dieser Abend hat sich gelohnt. Er endet mit fünf, sechs, sieben? Zugaben - Puhdys-Songs, die jeder kennt und mitsingt: "Geh zu ihr" und "Wenn ein Mensch lebt" aus dem Defa-Kultfilm "Die Legende von Paul und Paula", " Die Eisbären". Und "Was bleibt sind Freunde" . Viele waren an diesem Abend gemeinsam im Konzert und trafen sich mit denen auf der Bühne.

Zum Thema:
ZuschauerstimmenSylvia Müller, Cottbus: War ein tolles Konzert. Vor allem hat mir die Mischung zwischen neuen Titeln und den alten Puhdys-Ohrwürmern gefallen. Ich finde es auch gut, dass so viele Musiker von anderen Bands mitmachen.Jacqueline Trittmacher aus Cottbus: Das Konzert hat mir supergut gefallen.Vor allem beeindruckt mich, dass Maschine immer noch so eine unglaubliche Stimme hat.