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| 16:42 Uhr

Fast 30 Veranstaltungen
Was beim Musikfest Berlin in diesem Herbst gespielt wird

Berlin. Von Dietrich Bretz

Vom 31. August bis 18. September ist die deutsche Hauptstadt wieder Treffpunkt renommierter Klangkörper und Solisten. Wobei das Berliner Musikfest diesmal betont solche Kompositionen ins Blickfeld rückt, die im Konzertalltag eher unterbelichtet sind. Rituelle und zeremonielle Formen der Musik sowie der Oper und dem Mysterienspiel entstammende Aktionen durchziehen wie ein roter Faden die Palette der 27 Veranstaltungen mit mehr als 60 Werken.

Sinnstiftend war es da, dass die Staatskapelle Berlin am Auftakt­abend Igor Strawinskys Opfer-Zeremoniell „Le Sacre du printemps“ (1913) das „Rituel in memoriam Bruno Maderna“ für Orchester in acht Gruppen (1987) von Pierre Boulez (1925-2016) voranstellte. Eine imaginäre, vom Klang des Gamelanorchesters inspirierte musikalische Zeremonie. Ein hochkomplexes Opus, das die Kapellmusiker unter Daniel Barenboim feinsinnig ausleuchteten. Während das Orchester den vielgestaltigen Klangfluss des „Sacre“ bis hin zu dem von bohrender motorischer Rhythmik bestimmten Finale suggestiv steigerte.

Wie unterschiedlich reagierten doch die nach dem Zweiten Weltkrieg angetretenen Tonschöpfer auf die Zeitereignisse! Der 1918 in Köln geborene Bernd Alois Zimmermann, ein Einzelgänger der Avantgarde, war in seinem Schaffen von unbedingter Aufrichtigkeit geprägt. Etliche seiner Orchesterwerke sind von bestürzender Ausdrucksintensität erfüllt. Ein Markstein ist da die nach 1945 entstandene Sinfonie in einem Satz. Davon zeugte auch die Nachgestaltung des Werkes durch das von Yannick Nezet-Seguin geleitete 100-jährige Rotterdam Philharmonic Orchestra.

Ehrensache für die Berliner Philharmoniker, sich in ihren Festspielkonzerten gleichfalls unterschiedlichen stilistischen Strömungen zeitgenössischer Musik zu widmen. Ein Glücksfall, dass da der als Komponist und Interpret gleichermaßen geschätzte Engländer Sir George Benjamin (Jahrgang 1960), in der Saison 2018/19 Composer in Residence des Orchesters, als Dirigent gewonnen werden konnte. Zum Auftakt des ambitionierten Programms gab’s Boulez‘ Opus „Cummings ist der Dichter“ für ein 16-stimmiges Vokalensemble und Instrumente, basierend auf Gedichten des amerikanischen Autors Edward Estlin Cummings. Faszinierend die sinnliche Aura der Partitur. Frappierend des Pianisten Cédric Tiberghien klangsensible Interpretation von Maurice Ravels Klavierkonzert für die linke Hand. Zum Finale hatte Benjamin mit „Palimpsests“ ein eigenes Werk gewählt. Fesselnd, wie er zusammen mit den Musikern die sich einander überlagernden Klangschichten differenziert auszuleuchten vermochte. Vielgestaltig wird auch das noch folgende philharmonische Programm sein, das einen Bogen schlägt von Strawinskys Bläsersinfonie über B.A. Zimmermanns Violinkonzert (Solistin: Carolin Widmann) bis hin zu solch imposanten Orchesterstücken wie Debussys „Images“. Und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin wird zum Festspielfinale zusammen mit dem Berliner Rundfunkchor und einem Solistenensemble Fragmente aus R. Wagners „Parsifal“ und Debussys Bühnenmusik zum Mysterienspiel „Le Martyre de Saint Sébastien“ präsentieren.

www.berlinerfestspiele.de