Freunde des Puppentheaterfestivals wissen, dass hier nicht nur herumgekaspert wird. Das Genre hat viele Facetten vom Handpuppen- über das Marionettenspiel bis zur Schauspielerei, bei der sich Menschen als Puppen verkleiden. Das alles – vorzugsweise mit groteskem Humor – ist im Elbe-Elster-Land zu erleben, für Kinder, für Jugendliche, für Erwachsene, morgens, abends, in Schlössern, Kneipen, Museen, Seniorenheimen, Schulen und an anderen Orten.
Mehrere Höhepunkte stechen aus dem diesjährigen Programm heraus: Die Eröffnung des Festivals (19. September, 18.45 Uhr) findet im Schlosshof Finsterwalde unter dem Motto „Liebe und Tod in der Küche“ statt. Vor romantischer Kulisse interpretiert das Figurentheater Kaufmann & Co. aus Berlin Shakespeares „Romeo und Julia“ neu. Diesmal führen zwei Köchinnen aus den edlen Häusern Capulet und Montague das große Drama auf: Gewürzgläser formieren sich zum Kampf, Romeo schleicht sich als verkleidete Chili auf den Gurkenball, Salz und Pfeffer gestehen sich rieselnd ihre Liebe . . . Nicht fehlen darf zum Auftakt auch die hinreißend-schnoddrige Puppen-Chanteuse Ursula von Rättin, verkörpert durch das Figurentheater Conny Fritzsche aus Dresden. Diesmal hat die Rattendame als Gast einen gewissen Herrn Dr. pup. von Puppelsheim, seines Zeichens emeritierter Puppentheaterhistoriker, mitgebracht. Mit dabei sind laut Veranstalter-Ankündigung des Kreiskulturamtes Elbe-Elster außerdem die Musikanten der „Weberknechte“ , der Kasper aus der Finsterwalder Klatschenkiste und der Schulzirkus Robbi aus Elsterwerda.
Etabliert als Stammkneipe der Puppenspieler hat sich in den letzten Festival-Jahren die Gaststätte „Hasenschänke“ in Bad Liebenwerda. Es heißt, dass hier mitunter auch spontane Vorstellungen gegeben werden. Ganz offiziell findet in der „Hasenschänke“ am 20. September, ab 19.30 Uhr, der „Revue-Tanzabend“ statt. Die Clownsband „Voll Daneben“ spielt Oldies. Frau Dr. Hutzler-Grünmeffert vom Felgentreu-Grünmeffert-Theater Potsdam versucht sich als Rocksängerin. Sie ist aus dem vergangenen Jahr als Literaturwissenschaftlerin in einem furiosen Mensch-Puppen-Sketch in bester Erinnerung. Hinter der „Zirkus-Gockelini-Gala“ mit Meisterdompteur Stengelini verbergen sich die Akteure der Fundus-Marionetten aus Dresden. Vielleicht betritt der ein oder andere Puppenspieler auch spontan die Bühne.
Die traditionelle „Lange Nacht der Puppen“ wird dieses Jahr nicht im Kreismuseum Bad Liebenwerda über die Bühne gehen. Sie soll am 27. September, ab 19 Uhr, erstmals im Rahmen des Weinfestes der Stadt, in einem Zelt am Rathaus, gefeiert werden. Umrahmt vom Drehorgelspiel des Puppen-Doktors-Puppen-Käst’l aus Thurau tritt das Theater Geist aus Berlin auf. Unter dem Titel „Zinnober oder Heiratet, liebt euch, hungert zusammen“ , bringt es ein Märchen des ironischen Romantikers E.T.A. Hoff mann (1776-1822) und Gedichte des Satirikers Robert Gernhardt (1937-2006) zusammen. Die britische Lempen Puppet Theatre Company aus Skipton spielt ein Drei-Minuten-Stück namens „Tauch ins Flussbett“ für einen Zuschauer und präsentiert den ersten schwangeren Mann Europas. Man darf in seinen Bauch gucken und einen interessanten Fötus kennenlernen. „Dan’s Baby“ heißt diese Show. Anschließend begegnet das Publikum wieder besagter Ursula von Rättin. Sie geht auf Reisen und hat den Pianisten Robert Jentzsch dabei. Um 24 Uhr soll Schluss sein.
Neugierig machen neben diesen drei Höhepunkten insbesondere einige weitere Klassiker-Verwurstungen. Ganz dick trifft es den ollen Goethe: Das Traditionelle Marionettentheater Dombrowsky aus Engertsdorf zeigt zu verschiedenen Gelegenheiten in Finsterwalde und Elsterwerda „Dr. Fausts Höllenfahrt“ in einer für Jugendliche ab der sechsten Klasse geeigneten Fassung. Ebenso widmet sich das Puppen-Doktors-Puppen-Käst’l dem Faust (25. September, 9.30 Uhr, Gymnasium Herzberg). „Heute: Faust!“ heißt es schließlich auch am Freitag, 26. September, ab 19.30 Uhr im Kreismuseum Finsterwalde. Das Meensener Figurentheater Gingganz wirft einen Blick auf den Dichterolymp und findet dort neben Goethe unter anderem dessen Mutter vor. Im Anschluss soll sogar eine Podiumsdiskussion über die Rolle Fausts im Theater und Puppenspiel geführt werden.
Ganz besonders freut sich der Verfasser dieses Artikels jedoch auf die Inszenierung der Wagner-Oper „Die Walküre“ durch das Felgentreu-Grünmeffert Theater (21. September, 17 Uhr, in der Galerie im Pfarrgarten Saxdorf). Versprochen wird Richard Wagner zum Mitsingen und Mitklatschen. Na dann: Hojotoho, wie die Walküre sagt.
Beim 10. Internationalen Puppentheaterfestival kosten Kindervorstellungen zwei Euro pro Person. Erwachsenenvorstellungen schlagen mit sechs Euro (ermäßigt vier Euro) zu Buche. Karten für den „Revue-Tanzabend“ kosten im Vorverkauf sechs Euro, an der Abendkasse acht Euro, für die „Lange Nacht“ acht bzw. zehn Euro. Verkaufsstellen sind das Kulturamt Elbe-Elster in Herzberg und die „Hasenschänke“ sowie das Kreismuseum in Bad Liebenwerda.
Weitere Auskünfte gibt das Kulturamt unter Telefon 03535/465104. Das komplette Festivalprogramm steht im Internet unter: www.lkee.de