| 17:06 Uhr

Fernsehen
Wäre weniger „Tatort“ mehr?

Auch der beliebte Sonntagabendkrimi ist nicht immer minenfreies Gelände.
Auch der beliebte Sonntagabendkrimi ist nicht immer minenfreies Gelände. FOTO: Tobias Hase / dpa
Berlin. Deutschlands beliebteste TV-Reihe verschlingt enorme Summen.

Nach mehr als 20 Jahren hat Andreas Hoppe als Kommissar Kopper im „Tatort“ aufgehört. Das hätte für den Südwestrundfunk (SWR) auch die Gelegenheit sein können, das ganze Ludwigshafen-Team abzuschaffen mit der dienstältesten „Tatort“-Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts). Der neue ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm kündigte vor Kurzem Einschnitte im Programm an, falls der Rundfunkbeitrag nicht erhöht werde. „Es würden kurzfristig drei Milliarden Euro fehlen, die wir im Wesentlichen im Programm einsparen müssten“, sagte der Intendant des Bayerischen Rundfunks. Bei Technik und Verwaltung sei schon viel gespart worden. Sollte es vielleicht auch den „Tatort“ treffen? Einige Argumente:

Die Kosten: Die ARD rechnet selber vor, dass von den 17,50 Euro Rundfunkbeitrag, die jeder Haushalt zahlt, jeden Monat etwa 14 Cent für den „Tatort“ und den „Polizeiruf 110“ verwendet werden. Würde man nicht jedes Jahr 34 bis 39 neue „Tatorte“ produzieren, ließen sich also theoretisch ein paar Cent für jeden deutschen Haushalt sparen. Ein „Tatort“ kostet im Schnitt zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Euro.

Die Quoten: Die Zuschauerzahlen schwanken enorm bei Deutschlands beliebtester TV-Reihe. Zwar sahen vergangenes Jahr im Schnitt jede neue Folge 8,9 Millionen Menschen. Die Quoten waren aber sehr unterschiedlich: So hatten fünf der 35 Krimis mehr als zehn Millionen Zuschauer. Fünf Krimis hatten aber auch unter sieben Millionen Zuschauer, einer sogar unter sechs Millionen. 2017 hatte der „Tatort“ im Schnitt so wenig Zuschauer wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Der Inhalt: Besonders beliebt waren ganz normale Ermittlerkrimis jenseits der experimentellen Filme, die ARD-Obere nun sowieso reduzieren wollen. So hatten 2017 zwei normale Kölner Fälle mehr als zehn Millionen Zuschauer. Immer wieder quotenträchtig ist auch Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm. Ansonsten laufen natürlich die als Krimikomödien angelegten Fälle aus Münster gut, die regelmäßig Topquoten einfahren.

Die Teams: Von den zurzeit 22 aktiven Teams ist manches nur alle zwei Jahre zu sehen - kaum jemand behält noch den Überblick. Die Marke „Tatort“ ist aus Sicht vieler Fans verwässert worden. Mancher Ermittler wie Murot aus Hessen zum Beispiel - gespielt von Ulrich Tukur - wirkt eher wie eine unregelmäßig ausgestrahlte ARD-Serie und bräuchte nicht unbedingt das Label „Tatort“, was ihn auch von der Kritik entlasten würde, er sei zu experimentell. Auch Til Schweiger in Hamburg ist keine klassische Sonntagskrimikost. Grundsätzlich könnte man auch überlegen, den „Tatort“ mit seinem kleinen Bruder „Polizeiruf 110“ (weitere vier Teams) zusammenzulegen und dabei zu verschlanken.

Die Sender: Eine Frage könnte auch lauten, ob einige Sendeanstalten – oft nur aus regionalem Proporz - mehrere Teams stellen müssen. Braucht der Zuschauer vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) wirklich ein Dresdner Team in Sachsen neben dem Weimarer in Thüringen? Muss der Bayerische Rundfunk (BR) neben dem Landeshauptstadtkrimi aus München noch einen Franken-„Tatort“ machen? Braucht der Westdeutsche Rundfunk (WDR) aus dem Bindestrichbundesland Nordrhein-Westfalen tatsächlich neben dem Münster- und Köln-Duo noch den Dortmunder Krimi? Und warum haben der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und der SWR sogar vier Teams im Rennen? Hinzu kommen noch die „Tatorte“ aus der Schweiz und Österreich, die aber wenigstens oft einen erfrischend anderen Ton haben.

Die Termine: Der „Tatort“ ist im allgemeinen Sprachgebrauch der Sonntagskrimi. Manche kommen aber auch an Feiertagen, etwa Neujahr, Ostermontag, Pfingstmontag und am zweiten Weihnachtstag. Rein quotentechnisch läuft es da meist nicht so gut. So hatte zum Beispiel der Weimar-„Tatort“ Weihnachten 2017 die schlechteste Quote für einen neuen „Tatort“ im Ersten seit mehr als sieben Jahren. Also vielleicht einfach den Weihnachts-„Tatort“ streichen?

(dpa)