Nun hatte ein Kollektiv um den Cottbuser Architekten Eberhard Kühn den 1. Preis bei der Ausschreibung gewonnen, und eigentlich konnten die Ärmel hochgekrempelt werden. Aber derartige Häuser entstanden in der DDR-Provinz vorzugsweise unter abenteuerlichen Bedingungen, chronische Materialnot war nur eine davon. Ähnlich wie später in Hoyerswerda beim Bau der heutigen Lausitzhalle, von den Einwohnern der Stadt als “Invest ruine„ verspottet, sahen die Cottbuser lange Zeit nur ein Riesenloch in der Innenstadt, das sie “Tagebau Mitte„ tauften. Aber am 3. Oktober 1975 ertönte es dann doch, das “Stadthallenlied„ zur Eröffnung: “Die ganze Stadt ist leer, und alles strömt hierher. Es klingt in Dur und Moll, das Haus ist knüppeldicke voll.„ Der Text ist sicher nicht nobelpreisverdächtig, aber knüppeldicke voll war das Haus nicht selten. Heute undenkbar: “75 Prozent der Veranstaltungen waren Eigenproduktionen„, erklärt Peter Armin Krumpelt, seit der Stadthallen-Eröffnung künstlerischer Leiter. “Die erste war am 27. Dezember 1975 der Start der Reihe ,Ins Horn gestoßen'„, erinnert sich der Rentner. Es folgten Reihen wie “Lausitzer Marktgeschichten„ “Gala-Abend des Balletts„, “Spektrum„, die “Musikauktion„ und “Porträt per Mikrofon„ mit dem aus Cottbus stammenden bekanntesten DDR-Sportreporter Heinz Florian Oertel. Bei einer solchen Veranstaltung war der Flugplatz Neuhausen vorgestellt worden.

Mit Flugzeug in die Halle

“Wir wollten ein Flugzeug in die Halle bringen, aber das passte nicht rein!„, erzählt schmunzelnd Klaus Arndt, damals Hallenmeister. “Da haben wir kurzerhand vor versammelter Mannschaft die Flügel ab- und wieder angebaut, und Oertel hat das kommentiert.„ Beim Thema Sportreporter fällt Arndt noch eine wichtige Veranstaltung ein: “Das Turnier der Meister nicht zu vergessen„. Die Turner waren ab 1979 Stammgäste in der Halle, die ja hauptsächlich für Kongresse und Sportveranstaltungen konzipiert war. Idealvoraussetzungen für Unterhaltungskunst hat auch die langwierige Rekonstruktion um die Jahrtausendwende nicht gebracht, andererseits sind Stars wie Reinhard Mey, Ljubka Dimitrowska, die Puhdys, Harald Juhnke, Vicky Leandros, Udo Jürgens, Hauff/Henkler oder Herman van Veen immer gern hergekommen, Dieter Bohlen war mit Blue System Anfang der 90er-Jahre fast jährlich da. Kabarett und Comedy haben ihren Stammplatz hier, erst am Sonntag gastierte die Leipziger Pfeffermühle, es folgen am Sonnabend Olaf Schubert, am 24. November Marlene Jaschke und am 1. Dezember die Herkuleskeule.

Höhepunkte 2010

Weitere Höhepunkte bis zum Jahresende sind die Konzerte von Helene Fischer am 20 und 21. Oktober, die Veranstaltung mit Reinhold Messner am 23. Oktober, das 20. Festival des Osteuropäischen Films in der ersten Novemberwoche, am 20. November das Konzert mit Karat oder “Weihnachten mit Hansi Hinterseer„ am 8. Dezember. Zur Weihnachtszeit erklingen seit 1993 die “Lieder im Advent„, gesungen von Lausitzer Chören.

35 Jahre Stadthalle Cottbus stecken voller Anekdoten und Geschichten. Peter Armin Krumpelt: “Als Roy Black hier war, ist er als Koch verkleidet durch den Diensteingang vor den weiblichen Fans geflüchtet.„ Oder: “Anfang der 80er-Jahre hatten wir mal ein Tahiti-Ballett zum Jahreswechsel hier. Es hatte einen fürchterlichen Winter-Einbruch gegeben, aber die Tahitianerinnen waren begeistert! Die kannten keinen Schnee und darin haben die dann auf dem Stadthallen-Vorplatz getanzt.„ Dann 1989, der schon legendäre erste “Musikantenstadl„ in der damals noch existierenden DDR . . .

Die Stadthalle konnte nicht so, wie sie war, über die Zeiten gebracht werden. Eine 80-köpfige Belegschaft unter Gründungs-Direktor Dieter Nehmzow war ebenso zu teuer geworden wie Eigenproduktionen.

Heute “strukturangepasst„

Die Beschäftigen kann man heute ganz locker an zwei Händen abzählen, die Halle ist “strukturangepasst„ aufgegangen in der Cottbuser Congress, Messe und Touristik GmbH (CMT). Die ihrerseits auf 20 Jahre Bestehen zurückblickt, allerdings jetzt auch auf dem Prüfstand steht. Eine Arbeitsgruppe soll untersuchen, ob durch eine CMT-Umstrukturierung Geld zu sparen ist. Das hat die Cottbuser Stadtverordnetenversammlung am vergangenen Mittwoch beschlossen. Jubiläumsfeierlichkeiten, auf die CMT-Chef Bernd Koch nach Aussage seiner Pressestelle ohnehin keinen Wert legt, wären da vielleicht unangebracht. Eine Rückschau, eine Erinnerung darf aber sein.