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Von Hippies und Nazis

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India hat ganz schön viel Pech gehabt. Das findet sie selbst zumindest. Christina Sabrowsky

1975 lebt die hochbegabte Schülerin mit ihren Hippie-Eltern und dem etwas sonderlichen Bruder Che in einer baden-württembergischen Kleinstadt. Umgeben von gutbürgerlicher Spießigkeit wünscht sie sich nichts mehr, als möglichst durchschnittlich zu sein. Aber an India ist rein gar nichts durchschnittlich: nicht ihre Eltern, nicht ihr Familienleben und auch nicht ihre Begabungen. Die Autorin Amelie Fried (58) nähert sich in ihrem neuen Roman dem verworrenen Gefühlsleben der 13 Jahre alten India, die in der Ich-Perspektive mit Scharfsinn, Nüchternheit und schlagfertiger Ironie die Welt der Erwachsenen betrachtet. In der Schule ist sie durch ihre überdurchschnittlichen Leistungen und ihre unkonventionellen Eltern eine Außenseiterin. Die in Ulm geborene Schriftstellerin und TV-Moderatorin Amelie Fried greift in ihrem Roman auch Teile ihrer eigenen, vom Nationalsozialismus geprägten Familiengeschichte auf. Genau wie India erfuhr sie nur durch Zufall von einem jüdischen Großvater, der von den Nazis ermordet wurde.

Amelie Fried: Ich fühle was, was du nicht fühlst. Heyne Verlag, 400 Seiten, 16,99 Euro