Von der Schönheit der Natur zur Kargheit des Tagebaus, von der Kargheit des Tagebaus zur Fröhlichkeit der unterschiedlichen Veranstaltungen - der Weg durch die beiden Räume im Erdgeschoss des Gutes Geisendorf, in denen die Bilder an den Wänden Geschichten erzählen, zeigt die Kontraste von denen das Kulturforum geprägt ist. Mal wird nur ein Bild pro Rahmen gezeigt, mal zwei, drei, vier oder gar neun. Panoramabilder der Landschaft hängen neben verwilderter Natur und Entwässerungsrohren des Tagebaus. „Mit dieser Ausstellung wollen wir auf die vergangenen Jahre zurückblicken und gleichzeitig die Spannung zeigen, die bei der Verbindung von Kultur, Natur und Industrie entsteht“ , formuliert Kurator Klaus Trende die Zielsetzung der Ausstellung. Exemplarisch solle der Widerspruch dieser drei Bereiche dargestellt werden. „Wir zeigen sozusagen, wie die unberührte Wildnis von der Industrie aufgeweicht wird“ , beschreibt er es noch näher. Was vor einem halben Jahr fotografiert worden sei, gebe es mittlerweile so gar nicht mehr.
Die drei Fotografen widmen sich mit ihren Aufnahmen unterschiedlichen Momenten in der „Biografie“ des Kulturforums Gut Geisendorf. Siegfried Laumen erkundet das unmittelbare Umfeld des Gutshauses und setzt die im Wandel begriffene Landschaft am Hang zwischen Steinitzer Endmoräne und dem Gutsgelände auf Panoramabildern in packend Szene. Dabei öffnet er den Blick für den Zusammenhang zwischen Natur und Kultur, zeigt, dass das Tagebaugebiet keine heile Landschaft mehr ist und weicht auch den Spuren der widersprüchlichen Entwicklung nicht aus. Natur und Technik werden in verschiedenen Formaten und zu allen Jahreszeiten beeindruckend inszeniert. Graue Schuttberge türmen sich im Vordergrund eines Bildes, während im Hintergrund das Gutshaus zu sehen ist, das in der Sonne leuchtet und von saftigem Grün umgeben ist. Über all dem strahlt ein blauer Himmel mit Schäfchenwolken.
Gleich daneben hängen die Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Jürgen Matschie, der seinen Blick auf das Tagebauvorfeld richtete. Die Ästhetik des Einfachen. Im Vordergrund noch die drei Bäume einer alten Allee, hinten schon der Abgrund der Tagebaukante. Selbst die gespenstischen Spuren der Bagger im Sand setzt er faszinierend in Szene. Der Schwarz-Weiß-Kontrast strahlt dabei eine kühle fast schon traurige Schönheit aus.
Im Widerspruch dazu stehen dann wieder die Arbeiten von Hartmut Rauhut, die ein Spiegel des lebendigen Dialoges auf Gut Geisendorf sind. Er dokumentiert so das breite Programmspektrum des vergangenen Jahrzehnts, das von Angeboten für Familien bis hin zu Veranstaltungen für die Kulturkenner reichte. „In diesen zehn Jahren haben wir mehr als 300 Veranstaltungen ausgerichtet mit fast 130 000 Besuchern“ , berichtet Klaus Trende nicht ohne Stolz und beginnt die Geschichte aufzurollen: Im Jahr 1996 hat die Lausitzer Braunkohle AG (Laubag) im Zusammenhang mit der Umsiedlung des Dorfes Geisendorf das 400 Jahre alte Gutshaus erworben. „Außer dem Gut steht vom alten Dorf nichts mehr und in zwei Jahren hat die Tagebaugrenze auch das Gelände des Gutes erreicht“ , erzählt er. 1997 wurde das restaurierte Gebäude als Begegnungs-, Informations- und Kulturstätte eröffnet. Im März 1998 fällt der Startschuss für die erste Veranstaltungssaison. „Wir wollten einen Ort entwickeln mit dem sich die Menschen der Umgebung identifizieren können und der auf seine eigene Art ein Stück Rekultivierung im Bergbaurevier darstellt“ , so Trende.
Die Fotoausstellung „Gut(e) Zeit“ macht das deutlich: Bergbau und Kultur sind nicht zwangsläufig ein Widerspruch, sondern kommen sich an Orten wie Gut Geisendorf nahe, berühren sich fast und machen eindrucksvoll klar, dass es gleich neben der Zerstörung auch noch Ruhe und Harmonie gibt.

Service Öffnungszeiten
 Die Fotoausstellung „Gut(e) Zeit“ ist noch bis zum 20. April auf Gut Geisendorf dienstags bis freitags - außer an Feiertagen - von 10 bis 16 Uhr zu sehen. Während der Veranstaltungssaison zusätzlich jeden ersten Sonntag im Monat zwischen 10 und 16 Uhr.