Das polnische Kino hat sich erfolgreich in der internationalen Festivallandschaft etablieren können - was nicht zuletzt der "Auslands-Oscar fur den besten nicht-englischsprachigen Film" für "Ida" (2013) beweist. Auch im deutschen Film und Fernsehen ist der polnische Film angekommen.

Mit "Unser letzter Sommer" startete vor Kurzem eine deutsch-polnische Ko-Produktion in den deutschen Kinos, und der erste deutsch-polnische "Polizeiruf 110: Grenzgänger", der das diesjährige Filmfestival Cottbus eröffnete, lässt die Fernsehkrimi-Nation Deutschland noch ein Stück weiter an Polen rücken. In der ARD ist dieser "Polizeiruf" am 20. Dezember zu sehen. Direkt aus Polen kam "Disco Polo", der Festival-Abschlussfilm.

Der polnische Film profitiert von der Stabilität der nationalen und regionalen Filmförderungen, der Popularität nationaler Blockbuster und der Vitalität der Independent-Szene. So ergibt sich eine stilistische Bandbreite vom knallharten - und politisch provokanten - Polit-Thriller "Secret Wars", der beim Festival in der Sektion Nationale Hits lief, über das lakonische Provinzporträt "They chased me trough Arizona", der von einem Schweizer Regisseur mit polnischem Cast gedreht wurde, bis zu "Polish Shit". Dieser Festivalstreifen zieht die Überbleibsel der europäischen Punkmusik und das TV-Showbiz gleichermaßen pointiert und selbstironisch durch den Kakao.

Zwei der zwölf Wettbewerbsspielfilme, die aus 14 Koproduktionsländern stammten, waren von polnischen Regisseuren gedreht worden. "Dämon" von Marcin Wrona. Das ganze polnische Dorf ist zur Hochzeitsfeier in das zukünftige Anwesen der Brautleute Piotr und Zaneta geladen. Am Vorabend war Piotr im Garten auf ein verscharrtes Skelett gestoßen, zu dem keiner etwas sagen kann oder will. Auch am Hochzeitsabend findet der Bräutigam keine Ruhe: Er wird immer wieder von einer jungen Frau in einem fahlweißen Kleid bedrängt, die scheinbar nur er wahrnehmen kann und die schließlich ganz von ihm Besitz ergreift. Er beginnt, jiddisch zu sprechen . . Der Psychothriller um ein Stück verdrängte Zweite-Weltkriegs-Vergangenheit war sofort Liebling der Filmkritiker. Die Jury in Cottbus bedachte den Film mit einer Lobenden Erwähnung.

Der zweite polnische Wettbewerbsfilm war "Chemo" von Bartek Prokopowicz: Benedykt und Lena haben sich Hals über Kopf verliebt, als bei Lena Brustkrebs diagnostiziert wird. Sie heiraten trotzdem. Doch schon die Hochzeitsfeier endet im Krankenhaus. Außerdem stellt sich heraus, dass Lena inzwischen schwanger ist. Soll Lena das Kind trotz anstehender Krebsoperation und Chemotherapie zur Welt bringen oder die Schwangerschaft besser abbrechen? Der Film, eine Mischung aus Drama und Musical, zeigt mit den Mitteln der Popkultur, wie der Tod zum Leben gehört. Im Wettbewerb Kurzspielfilm waren drei der insgesamt 13 Beiträge aus Polen, "Omatag" von Milosz Sakowski gewann den mit 1000 Euro dotierten Spezialpreis. Der U18-Wettbewerb des Festivals steht für originelle Filme aus Polen und Deutschland, die ein junges (und jung gebliebenes) Publikum auf Augenhöhe ansprechen. Im Programm waren in diesem Jahr jeweils drei aktuelle Produktionen aus beiden Ländern. In diesem Jahr fiel auf, dass in allen Beiträgen das Verhältnis zwischen Jugendlichen und ihren Eltern beleuchtet wurde. Es wurden verschiedenste Familienkonstellationen dargestellt, und keine davon entsprach einem funktionierenden Modell verheirateter Eltern mit Kindern. Eine bi-nationale Schülerjury mit jeweils zwei Juroren aus Cottbus und dessen polnischer Partnerstadt Zielona Góra entschied über den Gewinner.

Seit Jahren gibt es beim Cottbuser Filmfestival zudem eine eigene Reihe "Polskie Horizonty". Sie widmete sich in diesem November auch Filmemachern aus dem polnischen Teil der unmittelbaren Nachbarschaft. Mit Filmen der in Subice geborenen Natalia Oliwiak, dem in der Cottbuser Partnerstadt Zielona Gora aufgewachsenen Filip Lisowski und seiner Schwester Karolina Lisowska sowie Bartosz Kruhlik aus Lubsko standen vier Filmemacher auf dem Programm, deren Namen mit dem Lebuser Land und dem westlichen Polen verbunden sind.

Zum Thema:
Die deutsch-polnische Koproduktion "Unser letzter Sommer" wurde für den Einsatz im Unterricht von Vision Kino empfohlen. Sie spielt im besetzten Ostpolen im Sommer 1943 weit weg vom eigentlichen Kriegsgeschehen. Hier kreuzen sich auf dramatische Weise die Schicksale von vier jungen Polen und Deutschen. ufMehr Informationen zum Angebot für Schulen: www.unserletztersommer.de