ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:04 Uhr

Vom „Rosen-Resli“ zum Weltstar

Vor 50 Jahren spielte sie sich als kleines Mädchen mit dem Streifen „Rosen-Resli“ in die Herzen der deutschen Kinozuschauer, jetzt schreibt sie Bücher und vertreibt ihre eigene Kosmetiklinie: Heute feiert die Schauspielerin Christine Kaufmann ihren 60. Von Sabine Dobel

Geburtstag, gestern erschien unter dem Titel "Christine Kaufmann und ich" ihre Autobiografie. Das nächste Projekt der zeitlebens reiselustigen Showfrau: Ein Haus kaufen, sesshaft werden - und "einfach leben".
Von Kindesbeinen an war die in Gröbming in der Steiermark geborene Tochter eines ehemaligen deutschen Offiziers und einer französischen Maskenbildnerin ein Star. Erste Schritte ins Showleben macht sie - gemanagt von ihrer ehrgeizigen Mutter - mit sieben Jahren im Ballett des Münchner Gärtnerplatz-Theaters. Mit neun wird sie als "Rosen-Resli" bekannt. "Damit war meine Kindheit zu Ende", schreibt sie in ihrer Autobiografie.
Schon als Teenager macht sie international Karriere, spielt in Italien und Frankreich. Mit 15 Jahren wird sie unter 33 Mädchen ausgesucht, um in dem Streifen "Stadt ohne Mitleid" neben Kirk Douglas die weibliche Hauptrolle zu spielen - dafür erhält sie einen Golden Globe und schafft zugleich den Sprung nach Hollywood. 1962 dreht sie dort Filme wie "Tunnel 28", "90 Minuten nach Mitternacht" und Taras Bulba".
Für Schlagzeilen sorgt ein Jahr später ihre Hochzeit mit dem 20 Jahre älteren Schauspieler Tony Curtis. Als die Ehe nach fünf Jahren geschieden wird, kehrt Christine Kaufmann zusammen mit ihren Töchtern Alexandra und Alle gra nach Deutschland zurück. Das Interesse der Gazetten konzentriert sich auf den erbitterten Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann, in dessen Verlauf die Kinder von London nach Los Angeles entführt werden.
Trotz aller Schwierigkeiten gelingt Kaufmann das künstlerische Comeback, nicht zuletzt gewinnt die Schauspielerin mit Regisseuren des neuen deutschen Films Profil. Sie ist unter anderem in Werner-Schroeter-Filmen zu sehen und dreht 1981 mit Rainer Werner Fassbinder "Lola" und "Lili Mar leen". Das Fernsehen hält Rollenangebote unter anderem in der Familien-Saga "Die Laurents" und in der Erfolgsserie "Monaco Franze" für sie bereit. Vor drei Jahren stand sie noch einmal am Wiener Burgtheater auf der Bühne. Sie spielte dort in einer Inszenierung von Christopher Marlowes "Der Jude von Malta" unter Peter Zadek.
Sie habe die "Scheinwelt" aus Ruhm und Glamour "sehr gut überlebt", sagt sie heute. Vor allem als Kind hatte die kleine Christine Kaufmann unter der knallharten Karriere immer wieder gelitten. Sie vermisse heute die Schauspielerei nicht, sagt Kaufmann. Das Leben selbst sei bunter und vielfältiger. "Die wirklich tollen Sachen habe ich erlebt, wenn keine Kamera drauf gehalten wurde." Ihre Kreativität entfaltet Christine Kaufmann seit Jahren auf vielen anderen Gebieten: Sie baut Möbel, näht Gardinen und Kleider, forscht und erfindet (ergonomische) Haarspangen, schreibt Ratgeber, Kolumnen und Drehbücher - Vielseitigkeit war stets eines ihrer Markenzeichen.
Ein Buch zur "Körperharmonie" erschien 1985, es folgte eine autobiografische Zwischenbilanz unter dem Titel "Normal müsste man sein" und "Der Himmel von Tanger", in dem sie über Marokko als ein Land berichtet, in dem sie für fünf Jahre ein Zuhause fand.
Nun will sie zusammen mit ihrem vierten Ehemann, dem Schauspieler und Maler Klaus Zey, ein Haus kaufen und sich mit Gartenarchitektur beschäftigen. (dpa/pb)

Christine Kaufmann: Christine Kaufmann und ich. Mein Doppelleben, 352 Seiten, 19,90 Euro, Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach, ISBN 3-7857-2203-6