In ihr wird mit mehr als 60 Exponaten veranschaulicht, wie sehr seit Jahrhunderten dieses Sujet die Bildhauerei beeinflusst. Gezeigt werden Tierskulpturen von zwölf Künstlern mehrerer Generationen, von Joachim Dunkel (1925-2002 Berlin) und Raymond Durchamp-Villons (Damville 1876-1908 Cannes) über Conrad Felixmüller (1897-1977 Berlin) und Erich Oehme (Bartelsdorf/Sachsen 1889-1970 Meißen) bis zu Kerstin Seltmann (Berlin 1961, lebt in Kemlitz/Brandenburg) und Jürgen Wittdorf (Karlsruhe 1932, lebt in Berlin). Dem Besucher öffnet sich ein kleines Tierparadies zumeist bronzener Vierbeiner. Ergänzt wird die Präsentation durch Druckgrafik und Tuschestudien. Mit ein wenig Fantasie kann man sich vorstellen, wie die versammelten bunt gemischten Kreaturen von den Sockeln herab brüllen, grunzen, bellen, wiehern, schnurren oder schmatzen. Man begegnet dem angreifenden Hund und der Löwenbraut Waldemar Grzimeks (Ratzeburg/Ostpreußen 1918 bis 1984 Berlin), der scharrenden Kuh Jo Jastrams (Rostock 1928, lebt in Kneese/Mecklenburg), der eleganten Rappenantilope Heinz Theuerjahrs (Stolp/Pommern 1913 bis 1991 Waldhäuser/Bayern) oder dem geschmeidigen Tiger Gerhard Marcks (1889 Berlin bis 1981 Köln). Am meisten präsent ist neben Hunden und Katzen das Pferd. Erfasst wird in der künstlerischen Darstellung die ganze Palette der Emotionen, von der "Affenliebe" über Bewunderung bis hin zum Mitleiden mit der geschundenen Kreatur. Sichtbar wird die Mensch-Tier-Sicht vom reinen Utilitarismus eines Aristoteles mit seinem Zweck- und Nutzdenken bis hin zum grenzenlosen Mitgefühl eines Arthur Schopenhauer. Nicht unwesentlich ist wohl auch die von Legenden oder biblischen Vorstellungen geprägte Symbolhaftigkeit von Tieren. Nicht von ungefähr lobt man die Klugheit der Eule, bewundert die List des Fuchses, ärgert sich über die Sturheit des Esels, ist verzaubert von der Geschmeidigkeit der Katze und der Treue des Hundes oder labt sich an der Sanftmut des Schafes. Nachdenklich stimmt Conrad Felixmüllers Holzschnitt "Pferdetransport" (1959), auf dem ein Pferd mit Peitschenhieben über eine Verladerampe in ein Transportfahrzeug getrieben wird. Der Betrachter fragt sich besorgt, wohin wohl diese Reise gehen wird. Stark berührt Jo Jastrams Skulptur eines gestürzten Pferdes, das sich hilflos auf dem Rücken wälzt und verzweifelt versucht, wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen. Gerhard Rommels (Schalkau/Thüringen 1934, lebt in Gransee/Brandenburg) kleine Bronze "pissendes Mutterschaf" von 1987 verrät in wohltuender Weise die ländliche Herkunft ihres Schöpfers. Während im Schaffen von August Gaul (Hanau 1869 bis 1921 Berlin) oder Heinz Theuerjahr die Tierplastik dominiert, wenden sich Bildhauer wie Gerhard Marcks, Waldemar Gzimek oder Jo Jastram sowohl dem menschlichen Körper als auch dem tierischen Leib zu. Joachim Dunkel, Erich F. Reuter (Berlin 1911 bis 1997 Berlin) oder Joachim Karsch (Breslau 1879 bis 1945 Gandern) dagegen beziehen nur gelegentlich das Tiersujet in ihre künstlerische Arbeit mit ein. Galerie am Gendarmenmarkt, Taubenstraße 20, Berlin-Mitte, "Animals in Art - Skulpturen und Grafiken", bis 29. März, Di- Do 14-20 Uhr geöffnet, Telefon 030/206 484 17